Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TOD IM EISACK MIT BAJOINETT

Fund eines ermordeten Reservisten im Eisack bei Franzensfeste

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 28. Juni 1913 · Seite 6 · #Ungeklärte Todesfälle
September zur Neubesetzung. (Ein mysteriöser Leich en sund.) Aus Franzensfeste wird uns vom 27. ds. M. gemeldet: Heute vormittags fischten im Eisack zwei Herren aus Mittewald und gelangten hiebei zur breit ausgebuchteten Stelle zwischen Eisackbrücke und Kirche in Franzensfeste, als sie plötzlich in der Mitte des Flußbettes einen nackten Fuß eines Menschien aus dem Wa ' s. r hervorragen sahen. Das von diesem grausigen Funde in Kenntnis gesetzte Gendarmeriepostenkommando begab sich sofort an Ort und Stelle und es gelang in verhältnismäßig kurzer Zeit, nach erheblichen Mühen die Leiche zu bergen. Dieselbe wurde sofort als die eines zur Waffenübung zu einem Artillerieregiment eingerückten Reservisten agnosziert. Die 'Kleidung war noch vollkommen intakt, es fehlten nur die Mütze und ein Schuh. Nach Ueberfühxung der Leiche auf den hiesigen Friedhof schritt man an die weitere Untersuchung derselben und bemerkte alsbald, daß der Leichnam mehrere Stichwunden aufwies, die mit einem Bajonett mit großer Wucht geführt worden waren. Davon gingen vier Stiche direkt durchs Herz, sodaß der Tod momentan eingetreten fein muß. Bei der Leiche fand man ein Brieftüschchen mit dem Inhalte von zirka 50 Kronen, hievon 40 Kronen in Papier, in gut erhaltenem Zustande und eine .silberne Damenuhr. Das gänzlich verrostete Bajonett trägt die Nummer 25 und die Regimentsnummer des Artillerieregimentes Nr. 24, das in Bndweis stationiert ist, wovon jedoch kleinere Abteilungen in Bruneck und Südtirol detachiert sind. Das Gesicht des offenbar Ermordeten hatte bis auf eine rötliche Färbung ein vollkommen normales Aussehen, die Augen und der Mund waren fest geschlossen. Im Brieftäschchen wurde weiters ein Abschnitt einer vom Toten vor kurzem aus Hötting bei Innsbruck erhaltenen Postanweisung gefunden, mittelst welcher die Frau des Ermordeten einen bestimmten Betrag übermittelte. Dieser wertvolle Fund führte alsbald zur Agnoszierung der Leiche; denn die gerichtliche Kommission aus Sterzing richtete sofort an die Gemeinde Hötting eine telegraphische Anfrage, welche in den späteren Nachmittagsstunden von der Frau dahin beantwortet wurde, daß ihr Eintreffen in Franzensfeste noch im Laufe der Nacht 311 gewärtigen sei. Der ermordete Mann heißt Fischniger und ist nach Hötting bei Innsbruck zuständig. Wie aus dem Ganzen ersichtlich, handelt es sich hier um einen Mord und es scheint der Täter den Leichnam nach vollbrachter Tat in den Eisack geworfen zu haben, um die Spuren des Verbrechens verschwinden zu machen. Auch beweist der ansonsten vollkommen unversehrte Körper des Ermordeten, daß derselbe kaum ein bis zwei Tage im Wasser gelegen sein mag und in unmittelbarer /Nähe von Franzensfeste ins Wasser geworfen wurde.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Juni 1913, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9356-fund-eines-ermordeten-reservisten-im-eisack-bei-franzensfeste-1913).

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