Seile 17, Merkwürdige Grenzgeographie. Dre beiden. unrer einer Landesverwaltung stehenden Provinzen Tirol und Vorarlberg haben den Vorzug, an ihren Nordgrenzen Kuriositäten in larrdessjeLgraphischer, verkehrspolitischer und administrativer Hinsicht aufweisen zu können, T ' enknürdigkeiten, wie sie in dieser Bedeutung wohl nirgends bestehen, man könnte also bei passenden Gelegenheiten außer den Bergen und den Gletschern unserer Länder auch die grenzgeographischen Seltenheiten von Jungholz und Mittelberg als Kuriosa anpreisen und auch aus diesem Grunde den Besuch dieser Landstriche empfehlen. Nach der Eröffnung der Bahn ins Gebiet von Außerfern, nach der direkten Verbindung der Landeshauptstadt mit dem nach städtischem Vorbilde geführten Markt Reutte, dem Stapelplatz von Handel und Verkehr in diesem zukunftsreichen Gebiete mit seinen unermeßlichen Schätzen erträgnisreicher Naturgaben, kommen diese Mißgestaltungen der Grenzlinie gegen das Nachbarreich Bayern erst recht zur » Erkenntnis. Die Gemeinde Jungholz, vor vielen Jahren noch! eine Alpe des Zisterzienserstiftes Stams, heute eine Gemeinde im Ausmaße von 706 Hektar mit über 200 Einwohnern und 46 Häusern, ist im Norden von Reutte zu finden und unter Verzicht auf übliche Zufahrtswege in etwa 10 Stunden von Reutte aus zu erreichen. Im Gegensatz zum jüngsten österreichisch ungarischen Besitztum Ada Kaleh bildet die ausgedehnte Gemeinde Jungholz eine Insel zu Land, umgeben von bayrischem Territorium. Nördlich vom tirolischen Dannheimertale laufen auf ' der Höhe der Riederspitze ( 1636 Meter) die bayrischen und tirolischen Grenzlinien zusammen, dort schließt sich also tirolisches Gebiet, um sich, abermals gegen Norden, wieder zu der Halbinsel Jungholz aufzutun, die demnach, will man auf tirolischem Boden bleiben, nur nach Ueberwindung des Riederberges vom Mutterlande aus zu erreichen ist. Einige Uebung in der Alpinistik wird also Bedingung beim Besuche dieser Gemeinde sc in, auch für den Amtschef dieses ausgedehnten Gebietes, außer dieser zieht es vor, auf Umwegen und über bayrisches Territorium dorthin zu gelangen. Nördlich des tirolischen Ortes Schattwald rm Tannheimertale, wo sich das letzte österreichische Zollamt befindet, schließt sich die tirolische Grenze immer mehr zusammen, und nördlich von der Spitze öffnet sich die Grenzlinie wieder, das Gebiet von Jungholz einschließend. Dieser Ort bildet also gleichsam einen kleinen Bezirk für sich, denn er ist von. seinem zuständigen Amtsbereich durch Berge abgeschlossen. In Anbetracht dieser seltsamen geographischen Lage mußte die tirolische Landesregierung einen Ausnahmszustand für Jungholz herzustellen suchen, denn die Lebensinteressen der Bewohner von Jungholz hingen nur mit ihren bayrischen Nachbarn zusammen. So entstand zwischen der Amtsverwaltung diesseits und der Bevölkerung jenseits der Berge auf der Insel Jungholz ein ganz seltsames Verhältnis, welches über die auch anderwärts üblichen grenznachbarlichen Auffassungen und Situationen einigermaßen hinausreicht. Man verkehrt in Jungholz nur mit Münze in reichsdeutscher Währung, weil Handel und Wandel die Leute nach Bayern weist. Die Junghölzer sind auch in administrativer Hinsicht recht anspruchslos, die Steuergelder senden sie in bayrischer Münze über Bayern nach Reutte, und sonst werden sie auch nicht viel durch Besuche belästigt, denn der Weg nach Jungholz ist
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Juni 1913, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9357-merkwuerdigkeiten-der-grenzgeographie-die-inselgemeinde-jungholz-im-1913).
Nach dem Frühstück läßt der Husten nach. Dabei ist er zwar gesund und erfreut sich guten Appetits. Seine Eltern haben nie gehustet: es gibt keine Brustkrankheiten in der Familie. …
(U eberbür düng der Schuljugend.) Von einem Universitätsprofessor erhalten wir folgende Zuschrift: Ist es wirklich nötig, daß Schulkinder der unteren Volksschulklassen an einem Tage, an dem sie von 8 bis 10 Uhr vormittag …
Februar 1913. schon seit Jahren bestehenden Verbotes leisteten sich zwei hiesige Bauern das zweifelhafte Vergnügen, ein Widderrennen, oder, richtiger benannt, ein Widderstoßen am hiesigen Marktplätze im Dorfe am 23. d. M …
(Eine schneidige Hausmeisterin.) Aus Hall wird uns geschrieben: Samstag abends kam der Korbflechter Karl Prantl aus Silz in die an der Haller Reichsstraße gelegene Villa des Baron Hohenbühel, um zu betteln. Ein ihm verab …
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