Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
NEUES BERGHÄUSCHEN MIT FAHRENEN FARBEN

Eröffnung des neuen Gepatschhauses der Alpenvereins-Sektion Frankfurt a. M. mit feierlicher Weihe

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 25. Juli 1913 · Seite 11 · #Schutzhäuser
Alpine Zeitung. (Eröffnung des neuen Gepatschhauses der Älpenvereins - S e ktion Frankfurt a. M) Aus Landeck schreibt man uns: An den Bergen des Kaunsertales tiefherabhängende Nebelfchwaden schienen am Morgen des 21. Juli wieder Auen regnerischen Tag zu verkünden. Wer das oft gepriesene Wetterglück der Alpenvereins - Sektion Frankfurt a. Ml. hat sich! auch diesmal wieder bewährt. Je näher die von Feuchten zum Gepatschlhaufe ansteigenden Festteilnehmer ihrem Ziele kamen, oesto mehr zerflatterten die Wolkenschleier und schließlich zeigte sich die seit vielen Tagen verhüllt gebliebene stolze Beherrscherin des Tales, die im Firnschnee glänzende Weißseespitze in strahlender Schönheit. Hatte auch das andauernd mürrische Verhalten des Wettergottes gar Manchen ferngehalten, so sammelte sich doch allmählich eine ganz stattliche Zahl von Alpenvereins - Mitgliedern, Führern und anderen Einheimischen um das unter den Zirbeln des Gepatschhügels malerisch gelegene, mit Tannengrün und Alpenrosen, und Fahnen in österr., deutschen und Tiroler Farben geschmückte Frankfurter Bergfteigerheim. Gegen 1 Uhr mittags eröffnete der erste Sektionsvorsitzende, Prof. Dr. Theodor Peterjen » die Einweihungsfeier mit einer Ansprache. Er gab in gedrängter Kürze ein anschauliches Bild der umfassennden Bautätigkeit der Sektion Frankfurt a. M. in dem von ihr schon seit 1871 erwähltem Arbeitsgebiete in den westlichen Oetztaleralpen, schilderte die Entstehung und Entwicklung der Frankfurter Ansiedlung im Gepatsch und dankte dem Schöpfer des neuen Hauses, Architekten Q. Engelhardt aus Frankfurt a. M., sowie dem Leiter des Baues, Architekten E. Hagin aus Bielefelds der sich zwei Sommer seiner Aufgabe gewidmet hatte, für ihre vielfachen, nun von schönstem Erfolge gekrönten Bemühungen. Alsdann hielt der „ Gletscherpfarrer " von Gepatsch, Prof. Pater Richen aus Feldkirch, die We herede. Selbst ein begeisterter Freund der Berge und andächtiger Bewunderer der hehren Natur, schilderte er in pakkenden Worten den veredelnden Einfluß, welchen der Mpinismus auf alle jene ausüüt, die in der richtigen Weise dessen Zwecke und Ideale befolgen. Ein alpines Schntzhaus höheren Zieles: cs erleichtere Wertausenden von Bewohnern der Ebene, in dem einst so schwer zugänglichen Hochgebirge nach den Mühen des Alltags Erfrischung des Körpers und Erholung des Geistes zu finden. Und so erbitte er den Schuh des Höchsten auf das neue Haus, auf daß es lange Jahre seinem edlen Zwecke dienen möge. Nachdem die kirchliche Weihe erteilt war, lud der Sektions - Vorsitzende die Anwesenden ein, das neue Haus zu besichtigen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. Juli 1913, S. 11, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9408-eroeffnung-des-neuen-gepatschhauses-der-alpenvereins-sektion-1913).

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