Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GEFÄNGNIS OHNE KETTEN UND MIT OHRFEIGEN

Uebermuth der Sträflinge in Suben und deren Thaten an Wachleuten

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 1. Februar 1868 · Seite 5
(Wie es in unseren Strafanstalten zngeht) darüber schreibt man einem Wiener Blatt aus Stein: „ Ich bitte um Gehör. Das Jahr 1867 hat den Sträflingen nur Gutes, den Dienstleuten aber viel Uebles gebracht. Die Sträf. linge dürfen Tabak rauchen, Zeitungen lesen, bekommen zweimal in der Woche Fleisch, die Stockstreiche und Ketten sind abgeschafft. Daher sind diese Sträflinge fo grob und keck. Unlängst hat ein Sträfling drei Wachmänner so geohrfeigt, daß es Blut gegeben hat; kurz die Ohrfeigen von den Sträflingen an die Wachleute sind jetzt an der Tagesordnung. Das sind die Folgen der zu weit getriebenen Humanität. Weil die Sträflinge keine Ketten mehr haben, so raufen sie fürchterlich unter einander. Einen haben sie so geschlagen, daß ihm der Priester die letzte Oelung geben mußte. - Auch Suben scheint eine recht schöne Gegend für die Sträflinge zu sein, so daß man Jemand, der sich nach einem angenehmen Landaufenthalte sehnt, den Rath geben könnte, sich durch irgend eine Vergeßlichkeit in Bezug auf die Bestimmungen des Strafgesetzbuches einen Platz in Suben zu verdienen, wo es, wie man unS erzählt, Kategorien von Sträflingen gibt, welche sogar Gasthäuser besuchen dürfen, was vor einiger Heit zu einer tragischkomischen Scene führte.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Februar 1868, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2100-uebermuth-der-straeflinge-in-suben-und-deren-thaten-an-wachleuten-1868).

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