Das Neueste über Gilm. Mitgetheilt von Dr. ütnßros Maxr. Arnold von der Passer, das heißt Levy Hoffmann aus Dresden, derzeit zu ObermaiS bei Meran seßhaft, hat in diesem Herbste das deutsche Schriftthum um zwei Bücher bereichert. Er veröffentlichte eine Lebensgeschichte Hermann von Gilms und gab eine Auslese von dessen Gedichten heraus. Heute wollen wir uns mit seiner ersterwähnten Schrift ei » wenig unterhalten. Sie gehört zu jenen Druckwerken, welche ganz allein für fich sprechen. Ich lege denn also Herrn Levh HoffmannS Meinungen über dies und jenes vor und begebe mich gern jedes eigenen Urtheils. *) Levh Hoffmann ist kein Freund des Landes, in welchem er dermalen lebt und worin unser Gilm erwuchs. Es sind ihm die Ortschaften viel zu klein und auch langweilig ist ' s darinnen, oder war e « wenigstens. Schwaz ist ein kleiner Marktflecken 17 und hat kleinstädtisches Leben 22. Auch die Innsbrucker find Kleinstädter 26 und die Brunecker leider auch 45, nur daß diese „ einig darüber waren, daß keine kleine Stadt der ganzen Welt ein Theater besitze, wie das. welches Gilm seinen Bruneckern geschaffen hatte " 70. Wie übel dagegen ist Brixen dran! „ Es ist in der Mitte deS ganzen Landes gelegen, und als fromme, durch unzählige Pfaffen wohl behütete Stadt von der Polizei wenig beachtet " 81. In den Tiroler Sommerfrischen, natürlich in der Gilm zeit, findet man meistens sehr mangelhafte Verpflegung und primitives Unterkommen 13. Tirol besitzt ein eigenes „ ödes Einerlei ", dessen Gilm herzlich müde war 80. Gebildete Leute find im Berglande rar 104. Ein „ Held der Feder ", wie der Verfasser einer zu sein scheint, darf ja nicht glauben, er werde sich in Tirol Popularität erringen; nein, so ein recht aufruhrartiger Effekt läßt fich da heutzutage eigentlich durch gar nichts mehr, am allerwenigsten durch literarische Erzeug » sse hervorbrtngen 49, 50. Was nun die tirolischen Dichter anbetrifft, so stehen selbst solche Erzeugnisse Gilms, welche des Herrn Verfassers hohen Kunstsinn nicht befriedigen und denen er das „ ad mittitur " 5 wahrscheinlich versagen würde, unendli < p hock über all den zahmen Reimereien derselben aus jener und aus späterer Zeit 31. Johannes Schüler thät fich recht schwer bei der Prüfung, die Ingenieur Hoffmann abntmmt; Josef Streuer besteht in einigen Gegenständen, dafür wird Beda Weber gründlich geworfen 50 — 53. Warum hat dieser auch eine so verfehlte Auffassung der Kirchenheiligen, die fich Gilm ganz richtig vorstellte, nämlich so, „ wie einst die Helenen ihre Götter sich dachten: voll menschlicher Empfindungen, die sie, mit Rücksicht auf ihre Stellung bei der unvernünftigen Menschheit, tagsüber verbergen und nur in der Einsamkeit der Nacht hervorquellen lassen " 41.. Wenn also die einstigen „ Helenen ", welche man früher, trotzdem sie ihre Nachteule einer gemästeten Gans vorzogen für nicht ganz dumm ansah, ohne weiteres zur unvernünftigen Menschheit gehörten, so darf fich niemand wandern, wenn von den gebürtigen Tirolern Franz Josef Maurer in Hall und Adolf Pichler in Innsbruck auf Seite 66 geschrieben steht, daß „ der eine komplette Null, der andere eine sehr imaginäre Größe ist.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. November 1888, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5180-neues-buch-ueber-gilm-von-dr-arnold-von-der-passer-1888).
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(Rückblick über die Theatersaison.) Es erscheint als dankbare Aufgabe, anl Schluffe der diesjährigen Theatersaison einen forschenden Rückblick auf das Ergebniß derselben zu werfen. Die Eröffnungsvorstellung fand am 1. Ok …
[Regest bei Konrad Fischnaler, Innsbrucker Chronik I, S. 268: „Erstaufführung der „Bilder aus dem Leben Walthers von der Vogelweide“ im Theater, Text von Ig. V. Zingerle, Musik von Josef Pembaur sen.“]
Originaltext der …
Die Sage von Max auf der Martinswand und ihre Entstehung. Daß das weltbekannte, von der Dichtuna verherrlichte Abenteuer des Kaisers Max auf der Martinswand nichts anderes ist als eine schöne Sage, darüber hat die neuere …
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