7 sonderen Ruhm ernteten die Tiroler in dem Treffen an der Goehrde und in den Gefechten bei Jülich; ihr Hauptvorzug lag in der Sicherheit, mit welcher sie die Büchse führten — selten verfehlte die Kugel ihr Ziel. Riedl galt damals und noch lange nachher als unübertroffen in dieser Beziehung. Eine militärische Autorität führt im Jahre 1826 in einem Bericht Folgendes an: „Mit einem Tiroler Doppelhaken schoss Hauptmann Riedl 2000 Fuß, mit seiner Gemsenbüchse 1000 Fuß und darüber und parierte sogar mit seinen Kuchenreuterschen Pistolen auf 400 Fuß Entfernung auf den Nagel in der Scheibe. " — Sobald die Tiroler im Kampfe nahe genug an den Feind kamen, fassten sie stets zuerst die Officiere und Trompeter aufs Korn, um die Truppenabtheilungen führerlos zu machen, sie hatten dann viel leichteres Spiel; bei den Franzosen waren die Tiroler Scharfschützen deshalb nicht wenig gefürchtet. Nach dem ersten Pariser Frieden wurde das Lützow ' sche Freicorps aufgelöst ( bezw. als 25. Infanterie und 6. Uhlanen ' Regiment dem Heeresverbande eingereiht); die Tiroler Jäger erhielten ihren Abschied und zwar mit reichen Ehren. Lützow schrieb damals an den General v. Bülow, dass er „ diese tapfere, mit der Büchse excellierende Truppe sehr ungerne verliere ". Hauptmann Riedl erhielt die preußische Verdienstmedaille, das eiserne Kreuz, den russischen St. Annen und einen hohen schwedischen Orden; auch sein Bruder Sebastian wurde mehrfach ausgezeichnet. Ein Theil der Tiroler Jäger kehrte in die von fremdem Joche befreite Heimat zurück, ein anderer Theil verblieb in Preußen. Am 18. December 1814 verehelichte sich Hauptmann Riedl mit Auguste von Bernard, Tochter eines preußischen Capitäns. Das junge Ehepaar gieng nach Tirol und Riedl kaufte hier den eine halbe Stunde von Schwaz gelegenen Truferhof mit dem Edelsitze Ginn, dereinst den reichen Berggewerken von Fieger gehörig. Das Heimweh seiner Gattin veranlasste ihn jedoch nach einigen Jahren zur Rückkehr nach Preußen; er nahm eine Menge Tiroler Vieh mit und siedelte sich erst in Nixdorf bei Berlin, später in Friedersdorf bei Storkow an. Dann bewarb er sich beim Könige um eine staatliche Anstellung; die Ernennung zum königlichen Oberförster traf ihn jaus dem Sterbebett — am 8. September 1840 endete sein bewegtes Leben ein schmerzloser Tod; oft genug hat er ihm furchtlos ins Auge geschaut. Sein wackerer Bruder Sebastian war ihm bereits am 3. Februar 1821 zu Ried im Zillerthale in die Eivigkeit vorangegangen. Jakob Riedl hinterließ vier Töchter, von denen nur eine noch, hochbetagt und seit langen Jahren ans Bett gefesselt, bei Berlin lebt; hier wohnen auch mehrere seiner Enkel und Enkelinnen, und ein Urenkel gehört wieder als Officier dem preußischen Heere an, in dessen Reihen der tapfere Tiroler sich einen so ehrenvollen Platz errungen hatte.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. Mai 1894, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5780-lebenslauf-des-beruehmten-tiroler-scharfschuetzen-hauptmann-riedl-1894).
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