Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DUELL MIT SAEBEL UND JUDEN

Schwere Verletzung bei Duelle zwischen zwei Studenten in Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 20. Juni 1895 · Seite 7 · #Duellwesen
7 beschädigung nach § § 152, 155 lit. b, 156 lit. a St. - G., begangen dadurch, dass er am 20. November 1894 in Innsbruck oder dessen Umgebung gegen den Mediciner I. Offe zwar nicht in der Absicht ihn zu tödten, aber doch in anderer feindseliger Absicht, indem er ihm mit einem Säbel einen Hieb in das rechte Auge versetzte, auf solche Art gehandelt habe, dass daraus eine mit mindestens 30tägiger Gesundheitsstörung und Berufsunfähigkeit verbundene schwere Verletzung erfolgte, welche den Verlust des rechten Auges und damit eine auffallende Verunstaltung nach sich zog. Dieser Anklage liegen nachstehende Thatumstände zu Grunde. Der Beschädigte befand sich im Juni 1894 auf der Veranda des Stadtsaal Cafäs hier in Gesellschaft eines anderen Studenten. Da er Frau Sofie Schindler sah, begab er sich zum Tische, an welchem dieselbe saß, um ihr zur Geburt ihres jüngsten Söhnchens zu gratulieren. Zum Plätznehmen eingeladen, lehnte O. dies mit dem Bemerken ab, dass er sich in Gesellschaft befinde. Auf die Frage der Frau Schindler, ob sein College auch ein Jude sei, erklärte O., wie die Zeugin angibt, „ nein, das ist kein Jude, ich verkehre nicht mit Juden. " Diese Aeußerung machte O., wie Frau Schindler bestätiget, durchaus nicht in beleidigendem Tone und dies ist selbstverständlich, da ja O. selbst Jude ist und er mit einer Jüdin sprach. Hievon erzählte die Schindler einmal zufällig dem Studenten Salomon Dorf, der wieder hieoon dem Maxmilian Maier Mittheilung machte. Als derselbe nun am 25. Juni 1894 den I. O., mit dem er gut bekannt war, auf der Straße traf, stellte er ihn wegen der erwähnten Aeußerung zur Rede. Da Maier hiebei unter anderem auch zu O. sagte: „ Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme ", worin O. eine Beleidigung seines Vaters erblickte, hieß er, hiedurch gereizt, das Benehmen des Maier arrogant. Maier behauptet, was der andere jedoch entschieden bestreitet, er habe gesagt „ unverschämt arrogant " Dieser Vorfall veranlasste den Maier am selben Nachmittag dem O. 2 Herren zu schicken, die von ihm verlangten, dass er entweder das Wort „ arrogant" zurücknehme oder seine Zeugen namhaft mache. O. wählte das Letztere. Die 4 Vertreter vereinbarten nun einen Zweikampf zwischen den Beiden auf Säbel mit Binden und Bandagenschutz am Halse, an Brust, Bauch, Hand und Schultergelenk, und zwar, wie O. behauptet, mit der Bedingung bis zur Abfuhr. Mair erklärt, hievon nichts gewusst zu haben, was jedoch wenig glaubwürdig erscheint, auch gibt er an, dass der Zweikampf bis zum sog. „ ersten Blutigen " dauere, wobei es demjenigen, der den ersten Blutigen erhält, freistehe,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. Juni 1895, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5911-schwere-verletzung-bei-duelle-zwischen-zwei-studenten-in-innsbruck-1895).

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