Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BETRUG MIT PFANDURKUNDE

Versuchte Vermögensleerung durch vortäuschte Pfandrechte und Schuldurkunde

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 11. Juni 1897 · Seite 6 · #Betrug und Veruntreuung
und Zahlun gen geleistete Förster pflog im Sommer 1896 innigen Verkehr mit Kerscher, der früher die Maschmenschlofferei Geppert in Hall geleitet hatte und ihn erkor er sich als Rathgeber, als er Ende August keinen andern Ausweg als Concurseröff nung sah. Allein diesen geraden Weg wollte er nich: gehen. Deshalb beschritt er und fein Rath geber den Weg, der zum Verbrechen führte. Die Sache kam so. Die Schwiegermutter Försters erwirkte fiir ihre Forderung von 9000 fl. am 20. August 1896 sicherstellungsweises Pfandreck auf die Realitäten und Buchforderungen, an 25. August v. I. auch Pfandrecht auf sämmtlich Fahrnisse Försters. Diesem lag nun alles baxav fein Vermögen frei zu bekommen. Da sein. Mutter Anna Förster ihm kein weiteres Be: mögen zur Verfügung stellen wollte, musste Ke: scher an sie heran. Zu diesem Behufe ließ er sich von Förster am 14. Sept. eine Schuld und Pfandurkunde über 7200 fl. ausstellen, obwoh ihm Förster nicht einen Heller schuldig war. Die Folge war, dass Kerscher, ein gänzlich vermögend loser Mann, einen Untergrund für seine Bemüh ungen hatte, sich als vermöglich hinzustellen, wodurch die beabsichtigte Uebernahme des Geschäftes von Förster als ehrlich begründet werden sollte Auf Grund dieser Urkunde wusste Kerscher die Frau Anna Förster wirklich zu bereden, dass sie 2000 fl. aus eigenem und 5 00 fl. aus dem Vermögen ihres Sohnes Julius beschaffte. Mi diesen 7000 fl. und einem Theile der 3500 fl, die Förster von Josts Hautz in Hall lieh, b zahlte Förster am 29. September 1896 die Schuld per 9000 fl. an seine Schwiegermutter und lies sich eine Quittung hierüber ausstellen. Kerschr wollte hiefür eine aus seinen Namen lautend Abtreiungsurkunde erlangen, aber alle diese B mübungen scheiterten an dem Widerstande d« Advocaturskanzlei des Dr. Kathrein in Hall. Im Besitze einer solchen Urkunde, unter Arstrechthaltung der Pfändung des ganzen Forsterschen Vermögens, wäre Kerscher thalfächlich Herr
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. Juni 1897, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6173-versuchte-vermoegensleerung-durch-vortaeuschte-pfandrechte-und-1897).

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