Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GEHALTSDEBATTE OHNE AUSGESCHLOSSENE

Antrag auf 10 % Sustentationsbeitrag für alle tirolischen Lehrerinnen und Lehrer im Jahr 1899

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 20. Mai 1899 · Seite 2 · #Landtagssitzungen
/ 0 Decennalzulagen schon von ihrer definitiven Anstellung an, also rückwirkend zugesprochen wissen will. Nach dem ersten Anträge würden von 759 Lehrern und 757 Lehrerinnen, also von zusammen 1516 Lehrpersonen nur 696, nach dem zweiten Anträge gar nur 345 Lehrer eine Zulage erhalten. Redner führt durch Verlesung und Interpretation des § 56 des Landesgesetzes vom 30. April 1892 aus, dass sich der Antrag des Schulcomites nur durch eine angemessene Aenderung, der Antrag Klotz aber mit dem citierten Gesetzesparagraph gar nicht in Einklang setzen lasse, indem derselbe ausdrücklich bestimme, dass die vor 1. Jänner 1894 vollstreckte Dienstzeit für die Bemessung der Decennalzulagen nicht anrechenbar sei, und die erste dieser Zulagen erst am 1. Jänner 1904 zufalle. Von der Wohlthat einer Zulage im ersten Falle 56 o/o und im letzten Falle 78 % der Lehrpersonen auszuschließen, hält Redner weder für gerecht, noch für billig, auch nicht für klug, weil in den Herzen der Ausgeschlossenen, wie Dr. Blaas ganz richtig bemerkt, ein Gefühl von Kränkung, von Verbitterung Zurückbleiben müsste. Es soll Keiner leer ausgehen, und deshalb beantrage er für alle Lehrer und Lehrerinnen für das Jahr 1899 einen 10 o/o Sustentationsbeitrag von ihrem in diesem Jahre bezogenen Gehalte. Nachdem die Gehalte sämmtlicher Lehrpersonen im Jahre 1898 487. 000 fl. betrugen, so würde die 10 % Aushilfe 48. 700 fl. erfordern, und nachdem aus den Beiträgen für Verlassenschaften 30. 000 fl. einfließen dürften, so kämen auf anderem Wege zu bedecken 18. 700 fl., und das wäre wohl zu erschwingen für einen so großen Zweck, aber auch zu rechtfertigen. Redner versichert ausdrücklich, dass ihm bei Stellung seines Antrages ein Ueberbieten der von der anderen Seite gestellten Anträge aus Parteirücksichten vollständig ferne lag, und er einzig und allein durch das Wohl der Lehrer und der Volksschule geleitet war. Er stelle daher den Antrag: Der hohe Landtag wolle beschließen, den im Jahre 1899 im Genüsse eines Gehaltes stehenden, an tirolischen Volksschulen wirkenden Lehrern und Lehrerinnen sei für das Jahr 1899 ein Sustentationsbeitrag mit 10 pCt. ihres Gehaltes zu gewähren und für Rechnung des Landeshaushaltes Cap. VII, Titel 3, auszuzahlen. ( Beifall). Abg. Haid sagt, wenn Abg. Dr. Blaas den Wunsch geäußert habe, dass die Lehrer den Beamten gleich gestellt werden sollen, müsse er dem gegenüber die Nothlage des Bauernstandes betonen, denn es gäbe zehnmal mehr Bauern, die unter einer größeren Noth ' age zu leiden haben, als die Lehrer bei ihrem dermaligen Gehalte. Wie hart kommt es dem Bauer oft an, wenn er ein Stücklein Kleinvieh, das er für die Seinen zu schlachten gedachte, um ihnen auch einmal des Jahres ein Stücklein Fleisch zu bieten, plötzlich verkaufen müsse, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Redner hätte in dieser Frage von seinen Wählern eine gebundene Marschroute bekommen, allein trotzdem wolle er für die Gehaltsaufbesserung stimmen, wofern die Deckung in der neuen Einnahmsquelle gefunden werden könne, doch stimme er für den Antrag Klotz, weil auch er der Meinung sei, dass man zunächst den alten Lehrern helfen müsse. Abg. Baur behauptet, es wäre eine bekannte
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. Mai 1899, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6426-antrag-auf-10-sustentationsbeitrag-fuer-alle-tirolischen-1899).

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