beit „ Innsb ruck er MschUi Zur Uebersiedlung der Bürgerschule in die Fallmerayerstraße. Ungefähr vor einem Jahre sind in den „ Innsbrucker Nachrichten " mehrere Aufsätze erschienen, in welchen das Wesen und die Aufgabe der Bürgerschule, die Mängel der Organisation derselben, sowie die Mittel zur Hebung dieser Schulanstalt von fachmännischer Seite ziemlich eingehend besprochen wurden. Jenen Aussätzen scheint es vergönnt gewesen zu sein, in den maßgebenden Kreisen die verdiente Beachtung zu finden; denn seither machte sich, im wohltbuenden Gegensätze zu früheren Jahren, ein lebhafteres Interesse für das Gedeihen der Bürgerschule bemerkbar. Was mau noch vor einem Jahre kaum hoffen durste, ist soeben im Begriffe, in Erfüllung zu gehen. Dank dem rühmenswerten Eifer des Stadtschulrathes sowie der unbedingt schulfreundl chen Gesinnung des Gemeinderathes, besonders aber der großmüthigen Widmung der Innsbrucker Sparcaffe, ist t s in der kurzen Frist eines Jahres gelungen, der Bürgerschule ein eigenes Gebäude zur Verfügung zu stellen, welches sie schon demnächst mit dem Beginn des Schuljahres 1899/1900 beziehen wird. Wie nämlich die Kundmachung des Sladtschnlrathes vom 22. Aug. d. Js., betreffend den Schulbeginn, anzeigt, wird vom nächsten Schuljahre angefangen die Knabenbürgerschule als selbstständige Lehranstalt im Hause Nr. 12 der Fallmerayerstraße ( Turnhalle) untergebracht sein. Die hiedurch bewerkstelligte Trennung der Bürgerschule von der Volksschule, mit der sie bisher verbunden war, einerju s, sowie andererseits einige die Ausnahme der Schüler in die Bürgerschule betreffende neue Bestimmungen dürsten es wohl rechtfertigen, wenn mit diesen Zeilen beabsichtigt wird, diejenigen, welche sich Mt 4 205 am 7. September für die genannte Schule interessieren, besonders aber die Ellern, welche ihre Söhne in die Bürgerschule zu sch cken beabsichtigen, über die nunmehr geänderten Verhältnisse aufzuklären. Was die Aufnahme der Schüllr in die Bürgerschule betrifft, so ist darüber das Nöthige in der angeführten Kundmachung des Stadtschulralhes enthalten; es erübrigt nur, darauf hinzuweisen. dass von nun an nur solche Schüler in die Bürgerschule ausgenommen werden, welche die entsprechende Vorbildung in hinreichendem Maße besitzen und daher zu der Erwartung berechtigen, dass sie das höhere Lehrziel dieser Schule auch erreichen werden. Für Schüler, denen diese Vorbildung mangelt, ferner für solche, deren Schulpflichtigkeit nur noch ein Jahr dauert und deren Eltern sie mit dem vollendeten vierzehnten Lebensjahre sogleich aus der Schule nehmen wollen, ist die Bürgerschule nicht da; solche Schüler sollen die 6. Classe der Knabenvolksschule in der Gilmstraße, welche zu diesem Zwecke errichtet wurde, besuchen, wo sie den ihren Fähigkeiten und ihrem Bedürfnisse entsprechenden abschließenden Unterricht erhalten. Durch diese Einrichtung ist die Bürgerschule in die Lage gesetzt, ihrer eigentlichen Ausgabe, eine über das Lehrziel der allgemeinen Volksschule hinausreichende Bildung zu gewähren, gerecht werden zu können. Wenn dann noch, was, wie wir wissen, bereits im Zuge ist, schon mit nächstem Schuljahre ein neuer, den geänderten Verhältnissen angepasster und zweckmäßigerer Lehrplan an die Stelle des gegenwärtigen treten wird, so ist nicht zu zweifeln, dass sich die Bürgerschule auch bei uns, wie das anderwärts längst der Fall ist, jene Beachtung verschaffen wird, die ihr gebürt und die zu ihrem Gedeihen auch erforderlich ist. Um von vornehercin einer Missdeutung der an der Bürgerschule bereits durchgeführten und noch durchzusührenden Reformen zu begegnen, sei hier ausdrücklich hervorgehoben, dass durch dieselben die Bürgerschule keineswegs ihrer durch das Gesetz gestellten Aufgabe, eine höhere Bildungsstätte für das Volk zu sein, entzogen werden soll. Niemand denkt daran, sie zu einer bloßen Nachahmung der Unter
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. September 1899, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6493-uebersiedlung-der-knabenbuergerschule-in-die-fallmerayerstrasse-zum-1899).
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