(Das Amtszimmer des Bürgermeisters im neuen Rathhause.) Durch die großmüthige Schenkung des Herrn Lang ist bekanntlich dessen Haus in der Maria Theresi nstraße in den Besitz unserer Stadt übergegangen und die zahlreichen Beamten haben sich längst dortselbst häuslich niedergelassen. Auch der Herr Bürgermeister amtiert dort; aber eine Zimmer- Einrichtung, wie sie der Bedeutung unserer aufstrebenden Stadt entspricht, hat sein Arbeitszimmer erst in den letzten Wochen erhallen. Fast ist man versucht die Ausstattung derselben eine prunkvolle zu nennen. Bautischler, Kunsttischler, Tapezierer, Hafner, Uhrmacher, Gürtler, Schlosser. Bildhauer und Maler haben unter der Oberleitung des k. k Fachlehrers an der Staatsgewerbeschule und Bildhauers Wendelin Remesch mitgewirkt, dem obersten Functionär der Stadt ein würdiges, anheimelnd, ' s Arbeitszimmer zu schaffen. Schwere orientalische Teppiche bedecken den Boden, die Wände find mit einer schilfgrünen, in den Ornamenten an secessiomstische Motive anklingenden Tapeten versehen, die Decke, die durch hölzerne Gliederung ( besorgt von der Firma Karl Norer) in zahlreiche Felder zerlegt ist, reich allegorisch bemalt. Acht fignrale Compositionen. die Raphael Thaler in Eiertempera auf entsprechend fein geebnetem Grunde ausgeführt hat, stellen die Allegorien von Gewerbe und Fleiß, Industrie und Handel, Licht, Wahrheit, Einigkeit, Gerechtigkeit, Kunz und Wissenschaft dar. Zur weiteren Belebung der Decke dienen Spruchbänder und fünf Glühlampen, die unmittelbar an derselben angebracht sind. Dazu kommt nun in dem geräumigen, nur etwas zu niedrigen Zimmer zahlreiches Mobilar, von dem wir uns zunächst dm reich geschnitzten Amtsseffel und Arbeitstisch betrachm. Der erstere ist vom Wappen der Stadt überragt, der letztere seinem Zweck entsprechend einfach gehalten. Zu den schönsten Ausstattungsstücken zählen wir die verschiedenen Schränke und Etageren. zwei weitere Tische uub mehrere Sessel für die Besucher. Ganz originell ist der Garde robcschrank ausgeführt. Auch die Thüren haben sich der Einrichtung der Zimmer anpaffen müssen; sie sind wie alle Möbel in Nuss und Eichenholz, aber auch in kostbarem Material gearbeitet. Gekrönt sind sie durch geschnitzte Sopraporten, die aus der einen Seite das Stadt -, auf der anderen Seite das Landwappen tragen. Leichte Vergoldung und Farbengebung trägt zur Belebung bei. Alles ist )o sauber geschnitzt und so solid gearbeitet, dass man ruhig die Behauptung uufstellen kann, dass das Kunstgewerbe unserer Stadt dem keiner anderen nachsteht. Wie es sich gebüh. t, sind nämlich die Arbeiten nur an einheimische Meister vergeben worden. Das gesammte Mobilar ist vom Kunsttischler Josef Petrowitsch hergestellr worden, von ihm rühren auch sämmtliche ornamentalen Schnitzereien her; die fignralen Bildhauerarbeilen stammen vom k. k. Fachlehrer I. Mo iggl, die gesammte Tapeziererarbeil ist vom Hostapezierer Vinazzer, der mächtige Ofen von G.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. September 1899, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6494-eingerichtetes-amtszimmer-des-buergermeisters-im-neuen-rathhause-1899).
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