Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KAMPF UM DAS DEUTSCHE WORT

Rede Dr. Erlers vor zahlreicher Versammlung im Stadtsaal

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 4. Jänner 1901 · Seite 4
Wählerversammlung der deutschfreisinnigen Parteien. Gestern abends 8 Uhr fand hier im großen Stadtsaale eine sehr zahlreich besuchte Versammlung der deutschfreistnnigen Wühler statt, um dem Candidaten der Stüdtecurie, Herrn Dr. Erler, Gelegenheit zu geben, sein Programm zu entwickeln. Dr. Wen in eröffnete mit kurzen Worten die Versammlung und erlheilte Herrn Dr. Erler das Wort. Dr. Erler beschäftigte sich in seiner hier in den Hauptzügen wieoergegebenen Rede zunächst kurz mit dem früheren Reichsraths - Abgeordneten Dr. Kapferer, dessen parlamentarisches Wirken er in ironischer Weise streifte. Nun gelte es rm heißen Kampfe, das vor 3 Jahren verlorene Mandat der Intelligenz zurückzuerobern. Redner will nun sein nationales, politisches und wirtschaftliches Programm entwickeln, was ihm umso leichter falle, als er kein unbekannter Mann sei. Seit er in das politische Leben getreten, sei er immer treu und ehrlich für die Rechte und Interessen des deutschen Volkes eingestanden mit jener Liebe, die das Kind mit seiner Mutter verbindet, und stets bemüht gewesen, das deutsche Bewusstsein in unserem Volke zu heben und zu kräftigen, eingedenk des Spruches auf dem Rathhause in Eger: Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk, das höchste Gut des Volkes ist sein Recht. Wir Deutschen sind nicht da zum Kampfe, wir find jederzeit zum Frieden bereit, aber zu einem ehrenvollen. Die Deutschen haben den Staat groß gemacht und sie haben daher ein Recht zu verlangen, dass die deutsche Sprache als Staatssprache festgelegt werde. Er verlangt ferner, dass die nationale Abgrenzung ausgesprochen und dass mit dem clerical feudal slavischen Regierungssystem gebrochen werde. Das schwarz roth goldene Banner muss entfaltet werden können, ohue der Preußenseuchelei geziehen werden zu dürfen. Dieser Geoanke ist schön ausgedrückt in folgenden Worten: „Lasst uns alle wie ein Mann dastehen, lasst mit vollstem Herzen dem großen Ganzen uns anschließen und jeder Feind wird erbeben vor dem schwarzen deutschen Adler, vor dem rochen Wipfel oer deutschen Fahne und vor dem goldenen deutschen Schilde. Wie vom Kölner Dom an den Ufern des deutschen Rheines, so möge auch vom Stefansdome an den Ufern der mächtigen Donau die schwarz roth goldene Fahne wehen und weithin verkünden, dass im Osten wie im Westen, im Süden und Norden des deutschen Vaterlandes nur ein gelegt worden, und einzelne außerdem so, dass man mittels verschiedener Steigung an ein und denselben Punkt gelangen kann.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. Jänner 1901, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6701-rede-dr-erlers-vor-zahlreicher-versammlung-im-stadtsaal-1901).

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