Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KOHLEPLÖMPFE, BAUPROJEKTE UND BRAUSEBAD

Berichte des Bürgermeisters über Kohlenplombierung, Stubaier Bahn, Kinderspital und Telephonanlage

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 22. Februar 1901 · Seite 5 · #Gemeinderat
des Inhalts uamöglich wird. Interessant ist nun die Mittheilung des Herrn Bürgermeisters betreffend die Kosten der Plombierung der Kohlensäcke im städtischen Magazin. 100 Stück Plomben kosten 74 k, 100 Stück Säcke mit Spagat versehen 53 K, zusammen 1 L 27 5. 100 Stück Säcke können in zwei Stunden plombiert werden, die Stunde per Mann 30 5, mithin Arbeitslohn für 100 Stück Säcke plombieren 60 b. 1000 Plomben kommen somit auf 12 L 70 5 und der Arbeitslohn 6 L. Die Kosten der Plombiernng belaufen sich sonach auf 1 ' 8 k per Sack in städtischer Regie gegenüber 5 K bei den Kohlenhändlern, welche also bei jedem Stücke einen Nutzen von 3 ll haben. Da die Stadt die Plombiernng jedenfalls nicht billiger machen kann als die Kohlenhändler, kann von einer Vertheuerung der Kohle aus diesem Titel wohl keine Rede sein. Die Eingabe der Kohlenhändler wird einem Comits zur Berathnng und AnLragstellnng zugewiesen. Der Herr Bürgermeister berichtet sodann über die Ergebnisse seiner Wiener Reise. Betreffend die Stubaier - Bahn hat sich das Eisenbalmmini sterium für den Abschluss der Bahn in Fnlpmes oder Neustift und gegen die Weiterführung über Mieders und Schönberg nach Matrei ausgesprochen. Für die Betheiligung an der Zeichnung von Stammaktien wurden 350. 000 L in Aussicht gestellt, eine definitive Zusage indes nicht gegeben, weil von den; für Localbahnen präliminierten Betrag von 10 Millionen nur mehr 3 Millionen zur Verfügung stehen und es sich nun darum handelt, in den betreffenden Voranschlag auch den Betrag für die Stubaier Bahn hineinzubringen. Wenn die Stammaktien erst 1905 entgegenge nommen würden, würde die Zeichnung von Stamm actien seitens des Staates keiner Schwierigkeit unterliegen. Herr Abgeordneter Dr. Erler wurde übrigens gebeten, die Angelegenheit im Ministerium mit allem Nachdruck zu fördern. Die Verhandlungen bezüglich des Kinderspitales haben zu einem günstigen Resultate geführt, so dass dasselbe mit 1. Mai l. I. voraussichtlich eröffnet werden kann. Dagegen konnte der Bürgermeister bezüglich des Neubaues eines Postgebäudes und der Ausge ftalmng des Telephonverkehrs in Tirol keine erfreulichen Mittheilungen machen. Die Postdirection wird in den Wildling - Neubau in der Anich straße übersiedeln, den Hof des alten Postg Müdes beabsichtigt man zu überbauen, nm dadurch gen igend Raum für den Verkehr und das Publicum zu schaffen. Au einen Neubau scheint mau nicht mehr zu denken. Doch wird wohl die Stadt Innsbruck dafür sorgen, dass die wichtige Frage der Herbeiführung moderner Postverhältmsse nicht aus dem Auge verloren wird. Bezüglich der Telephonanlage erreichte man den Anschluss Kufstein - Kiefersfelden, allerdings auf Kosten Kufsteins. Für die Herstellung der Linien Kufstein - Jnnsbruck - Bozen bezw. Ala ist kein Geld vorhanden. Diese Strecke könnte nur gebaut werden, wenn dem Staate von irgend einer Seite das nöthige Geld zur Verfügung gestellt würde, ohne dass dieser eine andere Verpflichtung übernimmt, als es zurückzuzahlen, wenn Geld vorhanden ist. GR. kais. Rath Dr. Kofler rechtfertigt und begründet das Project, die Bahnlinie von Fnlpmes nach Matrei zu führen. Man habe seil Jahren versucht, eine Straße ins Stnbai zu bauen. Es kam nicht zur Ausführung, weil es nicht gelang, mit dem Straßenprojecte die Interessen beider Thalseiten zu befriedigen. Dies soll nun die Bahn thun. Die Behauptung, es sei ein Unikum, eine Bahn auf der einen Thalseite hinein und auf der anderen hinauszuführen, sei in ihrer Allgemeinheit nicht richtig, im vorliegenden Falle nicht zutreffend, weil die Bahn nicht zum Ausgangspunkt in Innsbruck zurückkehrt, sondern nach Matrei führt. Lokalbahnen haben ja eben den Zweck, die Ortschaften mit einander zu verbinden. Bezüglich der Ausgestaltung des Telephons möchte Redner die Aeuszer ungen des Ministeriums nicht so flüchtig hinnehmen. Wenn die Regierung auch nicht in der Lage ist, den Factoren, welche das Geld zum Baue des Telephons vorschussweise beistellen, eine verfassungsmäßige Schuldurkunde anszustetten. so genüge doch eine schriftliche Erklärung der Regierung, worin sie sich verpflichtet, im Laufe der Jahre die Bausnmme zurückzuzahlen. Dies ist vielfach schon in der Form durchgeführt worden und
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. Februar 1901, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6737-berichte-des-buergermeisters-ueber-kohlenplombierung-stubaier-bahn-1901).

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