Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ZUSAMMENHALT STATT EROBERUNG

Zur nationalen Auseinandersetzung in Tirol und dem Streben nach Gleichberechtigung beider Volksstämme

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 14. Jänner 1901 · Seite 3
wir Deutsche nur ans Erhalten, nicht ans Gewinnen, rechnen aber darauf, bei den italienischen Nachbarn gleicher Gesinnung zu begegnen. Im Vergleich mit anderen Ländern, wo die verzehrende Flamme nationalen Streites hoch aufloht, kann sich die nationale Auseinandersetzung zwischen den beiden das Land Tirol bewohnenden Volksstämmen leichter vollziehen, weil in die zwischen Deutschen und Italienern herrschende Grundstimmung keine Spur jenes nationalen Hasses gemengt ist, oer anderwärts die Verständigung zwischen streitenden Nationalitäten so erheblich erschwert. Wir achten und schätzen in den Italienern die Kinder einer großen völlig ebenbürtigen Culturnation, mit der uns, abgesehen vom politischen Bande des Dreibundes, die mannigfachsten wirtschaftlichen und Culturinteressen verknüpfen. Aber auch ber den Italienern hat sich seit den weltgeschichtlichen Umwälzungen der Jahre 1859 und 1866 die Stimmung gegenüber den Deutschen Längst gründlich geändert und wohl nur im allerkleinsten Theile unserer italienischen Landsleute leben noch Reste jener unfreundlichen Gefühle, von denen vor einem halben Jahrhundert die „ § ioviue Italia " gegen die „ reässeki " beseelt war. Zu ungleich geringeren Reibungen als anderwärts gibt in Trrol der gleichberechtigte Gebrauch zweier Landessprachen Anlass. Der hohe Rang, dsn das italienische Idiom unter den europäischen Cultursprachen einnimmt und seine nahe Verwandtschaft mit oer lateinischen Muttersprache befördern bei den gebildeten Classen der Deutschen die Erlernung der zweiten Landessprache, deren Gleichwertigkeit der Deutschtiroler willig anerkennt, und da er die den ethnographischen Verhältnissen entsprechende Geltung gerne und ohne Vorurtheil einräumt. Man kann endlich feststellen, dass nationale Streitpunkte zwischen Deutschen und Italienern in Tirol überhaupt in verschwindend geringem Maße bestehen und dass es sich bei den zwischen beiden Landestheilen schwebenden Differenzen überwiegend nur um politische und wirtschaftliche Gegensätze handelt. Namentlich in der sogenannten Autonomiefrage, die seit Jahrzehnten das Sinnen und Trachten der italienischen Tiroler beherrscht, tritt das nationale Moment weit in den Hintergrund gegen politische Tendenzen und wirtschaftliche Bestrebungen, die im unablässig wiederholten Ruf nach administrativer Selbständigkeit des italienischen Tirol zum Ausdruck gelangen. Bei dieser Lage der Dinge sind die wesentlichen Gesichtspunkte für die Formulierung unserer nationalpolitischen Forderungen gegeben. Wir Deutsche wünschen den nationalen Frieden, wir hegen nicht die Absicht, unsere Mehrheitsstellung im Lande zum Nachtheil der italienischen Minderheit auszubeuten. Gleiches Recht für beide Volksstämme, gleicher Schutz für beide Nationalitäten! Thunlichste Verminderung der nationalen Reibungsflächen! Zur Erreichung dieser Hiele möglichst reinliche Scheidung der beiden Stämme unter Anerkennung der vollen Reciprocität sim nationalen Verhältnis zwischen Italienern und Deutschen. (Fortsetzung folgt ^) _ Zur Tagesgeschichre. Oesterreich - Ungarn.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Jänner 1901, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6707-zur-nationalen-auseinandersetzung-in-tirol-und-dem-streben-nach-1901).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Landtag, Stadtpolitik & Verwaltung“

EINHEIT MACHT STIMMENMÄSSIGEN SIEG

Großer Wahlsieg der deutschfreihetlichen Parteien in Innsbruck und Nordtirol

Innsbrucker Nachrichten · 12. Jänner 1901 · S. 2 · Landtag, Stadtpolitik & Verwaltung

Die Reichsrathswahlen in der Städtecurie. Der gestrige Wahltag in Tirol schloss mit einem glänzenden Ziege der vereinigten deutschfortschrittlichen und deutsch nationalen Parteien in Nordtirol, so glänzend, wie man es ni …

KOHLEPLÖMPFE, BAUPROJEKTE UND BRAUSEBAD

Berichte des Bürgermeisters über Kohlenplombierung, Stubaier Bahn, Kinderspital und Telephonanlage

Innsbrucker Nachrichten · 22. Februar 1901 · S. 5 · Landtag, Stadtpolitik & Verwaltung

des Inhalts uamöglich wird. Interessant ist nun die Mittheilung des Herrn Bürgermeisters betreffend die Kosten der Plombierung der Kohlensäcke im städtischen Magazin. 100 Stück Plomben kosten 74 k, 100 Stück Säcke mit Sp …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |