Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VOLK MÜSSE SELBST ENTSCHEIDEN

Deutschfreiheitliche Vertrauensmänner fordern Überlassung der Autonomie-Vorlage an neuen Landtag

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. Juni 1901 · Seite 2
Pauli Gedächtnis. Südtiroler Autonomie - Frage. Zur Autonomie - Frage liegt eine Erklärung der Vertrauensmänner der deutschfreiheitlichen Parteien von Nordtirol vor, welche lautet: 1. Die Autonomie - Vorlage, welche eine radicale Umänderung der seit 1816 bestehenden derzeitigen staatsrechtlichen Verhältnisse Tirols herbeizuführen und die Geschicke des Landes für alle Zukunft in einschneidendster Weise zu beeinflussen bestimmt ist, muss als die wichtigste Vorlage bezeichnet werden, welche den Tiroler Landtag seit Jahrzehnten beschäftigt hat. lieber eine solche Vorlage können die Abgeordneten mit ruhigem Gewissen nur dann eine Entscheidung treffen, wenn das Volk selbst Gelegenheit gehabt hat, sich über deren Folgen volle Klarheit zu verschaffen und demgemäß in Versammlungen und in der Presse seinen Ueberzeugungen als Richtschnur für die Haltung des Landboten Ausdruck zu geben. Es muss daher als ein allen parlamentarischen Gepflogenheiten widersprechender Vorgang bezeichnet werden, wenn die Vorlage bis in di? allerletzten Tage vor Zusammentritt des Landtages den Abgeordneten und Wählern geheim gehalten wurde, und es entspricht nicht der hervorragenden Wichtigkeit derselben, sie von einem Landtage, dessen Mandat in wenigen Monaten erlischt, in Verhandlung ziehen zu lassen. Die gefertigten Vertrauensmänner verlangen daher, dass der derzeitige Landtag die Entscheidung dieser wichtigen Frage dem im laufenden Jahre neu zu wählenden Landtage überlasse, um so den Wählern durch die Wadlen selbst Gelegenheit zu geben, ihren Willen in dieser Angelegenheit zum Ausdruck zu bringen. 2. Sollte in der gegenwärtigen Landtags - Session .trotzdem die vom Subcomiö ausgearbeitete Vorlage einer neuen Landesordnung zur Verhandlung gebracht werden, so fordern die gefertigten Vertrauensmänner seitens aller deutschen Landtagsabgeordneten den entschiedensten Widerstand gegen dieselbe, weil sie in ihr nichts Anderes als einen durch die Verhältnisse nicht gerechtfertigten Angriff auf die Einheit des Landes und dessen Verwaltung, sowie den ersten Schritt zu einer Theilung Tirols in zwei selbständige
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Juni 1901, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6805-deutschfreiheitliche-vertrauensmaenner-fordern-ueberlassung-der-1901).

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