schon an die äußerste Grenze gegangen, G. - R. Hörtnagl bedauert im allgemeinen Interesse das Scheitern der Verhandlungen. Seine Erklärung finde dies darin, daß einige der Herren von Pradl heute so gesprochen und den andern Tag anders gehandelt haben. Die Herren haben sich verpflichtet, für die vereinbarten Punkte einzutreten, sind aber dann von Haus zu Haus gelaufen und haben eine unglaubliche Agitation veranlaßt und das Gegenteil von dem erzielen wollen, was sie versprochen haben. Der Innsbrucker Gemeinderat dürfe glauben, daß der größte Teil der Bürgerschaft Pradls nicht damit einverstanden ist. Die Gemeinde kann den an sie herantretenden Forderungen nicht gerecht werden, der Ruf nach ordentlichen Straßen, nach größerer Sicherheit, nach Wasser wird so stark und fortgesetzt ertönen, daß der Gemeindeausschuß sich unmöglich diesen Anforderungen wird verschließen können. Die natürliche Entwicklung von Pradl darf nicht aufgehalten werden, man muß verhindern, daß Fehler gemacht werden, welche später nicht mehr gut zu machen sind. Der einsichtige Teil der Bürgerschaft weiß ganz gut, daß Pradl nur mit Hilfe der Stadt sich zu gesunden Verhältnissen aufschwingen kann, und wird dafür arbeiten Die Gründe, daß sich die Verhandlungen zerschlagen haben, find nicht zu sagen, jedenfalls spielt da viel Persönliches mit. Die Herren haben gewußt, daß die Stadt bis an die Grenze des Möglichen gegangen ist. Man kann die Angelegenheit ganz ruhig der öffentlichen Beurteilung überlassen, es wird sich dann Herausstellen, wer die Interessen Pradls besser gewahrt hat, diejenigen, welche für eine Vereinigung eingetreteu sind, oder jene, welche sie Hintertrieben haben. G. - R. Kapferer äußert als Teilnehmer an den vorbereitenden Verhandlungen, daß die Vertreter von Pradl mit sehr wenigen lobenswerten Ausnahmen viel zu sehr vom persönlichen Standpunkte aus diese Frage der Verermgmrg behandelt haberr» was vollkommen ausgeschlossen sein soll. Übrigens sei diese Frucht ziemlich reis und werde, wenn die Herbstwinde kommen, der Stadt von selbst in den Schoß fallen. Die Verhältnisse sind heute in Pradl unhaltbar. Die Wasser und noch mehr die Schulfrage werden immer dringender. Viele Kinder von Pradl besuchen die Innsbrucker Schulen. Redner regt an, der Gemeinderat wolle, wenn es auch grausam erscheine, eine Resolution beschließen, daß mit Rücksicht auf die Überfüllung der Schule in Dreiheiligen Schulkinder aus Pradl in städtischen Schulen nicht mehr ausgenommen werden dürfen. G. - R. Kapferer bespricht die von den Vertretern Pradls gestellten Forderungen, denen die Stadt ohnehin weiter entgegengekommen, als es das Interesse derselben erheischt. Die Forderungen waren so hochgespannt, daß man sagen könnte, es sei vielen um das Zustandekommen eines Abkommens gar nicht ernstlich zu tun gewesen. Die G. - R. Hörtnagl, Jnnerhofer, Ostheimer und Prof. Stolz erklären sich gegen die von Herrn Kapferer vorgeschlagene drakonische Maßregel, während G. - R. Zösmayr lediglich aus dem Grunde dafür ist, damit die Pradler am eigenen Leibe ersehen, was eine Schule kostet. Der Gemeinderat sieht denn auch von einem diesbezüglichen Beschlüsse ab und überläßt es der Exekutive, mit dieser Sache das Geeignete zu veranlassen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Juli 1902, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7019-scheitern-der-verhandlungen-mit-pradl-und-streit-um-schulaufnahme-1902).
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