Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WASSERLEITUNG VON HALBWÜCHSINGEN RUINIERT

Neue Wasserleitung in Jnzing in Betrieb genommen, doch in der Nacht beschädigt

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 23. August 1902 · Seite 4 · #Trinkwasserversorgung
(Neue Wasserleitung.) AusJnzing schreibt man uns: Dem von Sommerfrischlern gern besuchten, schmucken Orte Jnzing fehlte es bisher an gutem Trinkwasser. Daher beschloß der Gemeindeausschuß unter Beiziehung maßgebender Faktoren die Gemeinde mit reichlichem und der Gesundheit zuträglichem Wasser zu versorgen und eine zweckentsprechende Wasserleitung anzulegen. Eine in Grubn ( steinerne Rinne) entspringende Quelle, ein sogenanntes „ Brünnele " wurde von dem Herrn Professor Senhofer, sowie dem Landeskultur - Inspektor Hohenleitner fachmännisch untersucht. Nach dem Gutachten dieser Herren hat diese Quelle einen Wasserreichtum, der für eine zehnfache Einwohnerzahl vollauf genügen würde. Nebstbei ist das Wasser von besonderer Frische und sehr kohlensäurehältig. Mit den Zuleitungsarbeiten wurde im Frühjahre begonnen. Durch Holzröhren wird das Wasser von Grubn bis in das Reservoir im Dörnach geleitet; von dort fließt es durch eiserne Röhren in den Ort resp. in die einzelnen Wohngebäude. Zwei große Auslaufbrunnen am oberen und unteren Platz, sowie zahlreiche Feuerhydranten werden ebenfalls vom Reservoir gespeist. Die Jnstallationsarbeiten, ausgeführt von der Firma Peterolli aus Innsbruck und dem Monteur Egert sind bereits beendet und Jnzing hat eine allen hygienischen und modernen Anforderungen zweckentsprechende Wasserleitung, um die es so manches größere Gemeindewesen mit Recht beneiden dürfte. Die Erdarbeiten wurden unter der Leitung des Herrn Richard Gstrein ausgeführt; die Legung und Bohrung der Röhren besorgte in mustergiltiger Weise Herr Josef Höllriegl, das Reservoir erbaute der Maurermeister Herr Josef Ziegler. Der Kostenvoranschlag der ganzen Leitung wurde mit 42. 000 L festgesetzt, doch dürfte sich derselbe auf 30. 000 L vermindern. Leider muß konstatiert werden, daß diese so segensreiche Einrichtung den Übermut und die Roheit einiger halbwüchsigen Dorfburschen reizte und dieselben veranlaßte, in der Nacht die Leitung zu ruinieren.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 23. August 1902, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7045-neue-wasserleitung-in-jnzing-in-betrieb-genommen-doch-in-der-nacht-1902).

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