Mörders verbrannt. Fünfzehn Jahre sind darüber hingegangen, keine Spar des Mörders hat man gefunden, der Bürgermeister und Gastwirt Mathis ist ein reicher und sehr angesehener Mann, nur leidet er seit jener Tat an Gehör - Hallucinationen. Er vermeint hie und da immer wieder das Schellengeläute jenes Schlittens zu hören und eine Angst überkommt ihn dann stets. Solche Momente aber gehen immer wieder vorüber und durch wohltätige Werke sucht er seine Tat zu sühnen. So weit die Vorfabel. Die Handlung setzt 15 Jahre nach dem Morde ein, sie spielt am Maria - Lichtmeßtage eines wiederum sehr strengen Winters. Es ist Polterabend im Hause des Bürgermeisters. Notar, Freunde und Nachbarn kommen ins Haus, denn Annette, die einzige Tochter, soll morgen dem Gendarmerie - Wachtmeister Christian Brehm angetraut werden. Der Ehevertrag wird verlesen, das Volk vernimmt mit Verwunderung, daß die Braut 30. 000 Franken als Mitgift bar erhält, (das ehemals geraubte Geld), und bald vergnügt sich die ganze Gesellschaft mit Munk und Tanz und Trank. Plötzlich erhebt sich draußen ein heftiger Schneesturm, man vernimmt Schellengeläute, ein Schlitten sährt an und ein polnischer Jude in Pelzkaftan und Mardermütze tritt eim Auch er bitter um Herberge, er schnallt s ine Geldkatze ab und legt sie auf den Tisch, wie dereinst sein Doppelgänger. Mathis erschrickt zum Tode, er muß in sein Zimmer gebracht werden, hier erholt er sich, er will allein sein und schlafen. Und nun kommt für den Mörder eine furchtbare Szene. Im Traume steht er vor Gericht, er leugnet, bis ihn seine Tochter anfleht, seine Unschuld zu beschwören. Diesen neuen Frevel vermag er nicht zu vollbringen, er wird mürbe und gesteht sein Verbrechen. Das Gericht, aus seinen Freunden zusammengesetzt, verurteilt ihn zum Tode durch den Strang. Sein eigener Schwiegersohn hat die Tat ans Licht gebracht und schon tritt der Henker in den Saal, um sein Opfer zu holen, da endet ein Schlaganfall das Leben des schlafenden und furchtbar träumenden Mathis. — Es ist Morgen, unten bringt man der Braut ein Ständchen, die Gäste kommen, man vermißt nur noch den Gastgeber. Die Türe des Schlafzimmers ist verschlossen, und als man sie öffnet, findet man den Toten. Der polnische Jude hat das letzte Wort: „Der Friede Gottes sei mit Euch und — ihm! " Der musikalische Wert der neuen Oper wird in den Besprechungen ihrer Ausführung — sie wurde 1900 zum erstenmale in Prag gegeben und machte hierauf ihren Weg über sehr viele Bühnen Deutschlands — ohne Ausnahme sehr hoch eingeschätzt. So schreibt das „ Manheimer Tageblatt ": Die Musik von Karl Weis besitzt vor allem eine Fülle der schönsten, wohllautendsten Melodien und charakteristischer Motive. Der erste Akt zeichnet sich in seinem volkstümlichen Charakter, seinen hübschen, charab» teristtschen, niemals trivial werdenden Tänzen und Chören, sowie in der Ausgestaltung der lyrischen Momente, wie des Liebesduetts zwischen Annette und Christian, ans das vortt. ilhyftkste aus. Allein
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. Dezember 1902, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7120-traumgestalt-eines-moerders-und-todesstunde-des-buergermeisters-in-1902).
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