Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FELDWEG WIRD ZU BRUCH

Instandsetzung des Sillkanalufer am Karmelitergasseabschnitt mit hundert Arbeitern vollendet

(Ans der oberen Karmelitergasse.) ' Viele Bewohner Willens und Innsbrucks werden sich noch erinnern, daß oberhalb der Collischen Fabrik, an deren Stelle die sogen. Hartlmühle stand, ein gewöhnlicher Feldweg zur Neurautgasse führte und auch eine Fortsetzung zum Steige über den Stiftshos hatte. Am rechten Sillkanalufer standen außer der genannten Mühle noch die Vrugger ' sche Fourniersäge, jetzt Schafwollwarenfabrik, dann die MetzLer ' sche Wattefabrik, jetzt Rauchs Feigenmühle. Am linken Kanalufer den Feldweg entlang waren nur Felder. Am Zusammenstöße des Feldweges mit der Neurautgasse war das Flatscher ' sche Bauernanwesen. Im Jahre 1886 wurde von diesem bäuerlichen Haus der Stadel in ein Wohngebäude umgebaut. Das bäuerliche Anwesen hörte Hamit auf zu bestehen, und seither wurde ein Bau nach dem andern auf diesem Feldwege anfgeführt. Hiedurch erhielt dieser eine bedeutende Frequenz, besonders dadurch, daß die Werke daselbst bedeutend vergrößert wurden. Der Feldweg hielt die schweren Betastungen nicht aus und diese Belastungen drückten auch aus düs Kanalufer, so daß die Arche hinausgedrückt und das Kanalbett verengert wurde. Die Arche, bezw. das Ufer, kam in einen Zustand, der dem Verkehr nicht mehr entsprach. Seit Jahren wurde herumgestritten, wer die Instandsetzung des Ufers Zu veranlassen hätte; drei Parteien wurden hiezu ins Auge gefaßt: die Sillkanalgenossenschaft, die Anrainer vom Feldwege und die Gemeinde. Der Zustand des Ufers wurde gefahrdrohend. Die Instandsetzung wurde immer dringender. Vorige Woche fand eine Verhandlung über die Beitragsleistung statt, welche jedoch zu keinem endgültigen Resultate führte; es ist aber zu erwarten, daß dies eintreten wird, besonders wenn ' bedacht wird, daß die Genossenschaft, die wohl den Hauptnutzen hat, ein geregeltes Känalbett lerhält und die Anrainer aus der Belastung kommen. Bei einigermaßen gutem Willen wird die Frage für alle Teile befriedigend gelöst werden. Mittlerweile hat die Stadt Innsbruck die Instandhaltung des Ufers, selbstverständlich vorbehaltlich der Austragung des Streites, ungeordnet. Die Herstellung betraf eine Strecke von ungefähr 200 Metern Länge. Die Arbeit wurde mit einer erstaunlichen Schnelligkeit ausgcführt. Am Samstag vergangener Woche wurde mit der Arbeit begonnen und vorgestern waren die Arche in Betonmauerwerk und die Räumung des Kanalbettes beendet. Unternehmer Riehl stellte beiläufig hundert Arbeiter hin; es entfiel auf den Arbeiter zirka zwei Meter Archenlänge. Zur Sicherheit der Passanten wird ein Eisengitter aufgestellt. Schon jetzt sieht man, daß das Werk der Frequenz der dortigen Gegend zugute kommt. Der
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. September 1904, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7569-instandsetzung-des-sillkanalufer-am-karmelitergasseabschnitt-mit-1904).

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