Zur Innsbrucker Hochschulfrage. Die Verordnung betreffend die Errichtung einer provisorischen rechts und staatswissenschaftlichen Fakultät mit italienischer Vortragsspräche in Innsbruck ist erschienen. Tie Landeshauptstadt Tirols. wird sich nun rühmen dürfen, der Universitäten zwei zu besitzen, eine deutsche und eine — vorläufig allerdings auf eine Fakultät beschränkte — italienische. Tie Frage der Verlegung der welschen Rechtskurse aus Innsbruck — bekanntlich von der Regierung innerhalb dreier Semester mit Ministerialerlass vom 13. Mai 1903, Zl. 1053, K. U. M. zugesagt — hat auf eine höchst eigentümliche Art ihre „ Provisorische " Lösung gefunden. Trennung auf Innsbrucker Boden - das ist .die Zauberformel, die allen Zank und Streit beenden soll. Mährend im Norden des Reiches die deutschen Lehrerbildungsanstalten mit tschechischen und polnischen Parallelkursen beglückt werden, wird bei uns im Süden „ getrennt ". Man sieht, über allzugroße Uniformierung des zentralisierenden Systems brauchen sich die nichtdLutschen Volksstämme Österreichs in Bezug aus den Unterricht gerade nicht zu beklagen. Untersuchen wir die Neugestaltung näher. Tie italienischen Kurse werden selbständig, sie werden sticht mehr wie bisher im alten Universitütsaebäude gegenüber den Stadtsälen ihr Dasein fristen, sondern in einen Neubau in bessere Gegenden übersiedeln. Me neue welsche Fakultät ist aber von der deutschen Universität nicht nur räumlich getrennt, sondern auch innerlich Losgelöst. Tie Geschäftssprache ist die italienische, das Professorenkollegiunr wählt sich natürlich seinen eigenen Senat, feinen eigenen Dekan — hier Quasirektor — und die welschen Hörer werden sowohl in disziplinärer Beziehung, als auch bei Prüfungen rein welschen Kommissionen unterstehen. Allerdings soll dieser Sprößling der Innsbrucker ulmd mutsr durch den „ Faden der Promotion" mit seiner Mntteranstalt zusammengeüunden bleiben. Es ist aber für dieselbe eine sonderbare Ehre, den Doktorgrad der altberühmten Innsbrucker Hochschule an Leute verleihen zu dürfen, die nicht au ihr, sondern an einer durch nationale Souderbestrebnngeu errungenen Trutze anstatt geprüft und für fähig bejnnden wurden.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. September 1904, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7574-errichtung-einer-italienischen-fakultaet-in-innsbruck-mit-eigener-1904).
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