Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BEGRÄBNISSTÄTTE ALS KONFESSIONELLE KRANKENKAMMER

Kritik an der Beerdigung einer Evangelin auf unwürdig empfundenem Friedhofsgang in Imst

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 27. Oktober 1904 · Seite 5
(Eine Ministerial - Entsch eidung in Beerdigungsangelegenheiten.) Zn der unter dieser Überschrift im gestrigen Blatte aus den „ Tiroler Stimmen " auszugsweise gebrachten Notiz über den Imster Friedhöffall erhalten wir folgende Zuschrift: „ Während die vorletzte Beerdigung eines Evangelischen in Imst, des Werkführers Stoll im Jahre 1889 auf dem Friedhofe stättfand, wurde für die 1902 verstorbene. Frau E. Schätti der außerhalb des Friedhofes führende, mittlerweile mit einer Mauer umgebene Gang als Begräbnisstätte angewiesen. Dieser Gang, an und für sich als Friedhof unwürdig, ist ' nicht etwa ausschließlich für Andersgläubige, sondern für katholische Selbstmörder, ' ungetanste Kinder, Nichtkatholiken rc. bestimmt und ist diese Bestimmung zum Teil durch Inschriften » an der Mauer allen Passanten des Weges kund gemacht. Mit diesem Platze, dessen Anweisung eine Kränkung und " Beleidigung einer im Staate gleichberechtigten Konfession bedeutet, waren nicht bloß die Angehörigen der Verstorbenen nicht einverstanden, sondern dagegen mußte auch das evangelische Pfarramt Beschwerde führen. Daß dis staat. i. hen Verwaltungsbehörden bis zum Ministerium hinauf dieserr Beschwerden keine Folge gegeben Haben, ist richtig, doch dürfte diese ablehnende Haltung der Verwaltungsbehörden keineswegs von allen katholischen Bevölkerungskreisen mit solch unverhohlener Freude und Befriedigung vernommen werden, wie von den Tiroler Stimmen. Hochachtungsvoll Arnold Wehrenfennig, evang. Pfarrer.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. Oktober 1904, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7597-kritik-an-der-beerdigung-einer-evangelin-auf-unwuerdig-empfundenem-1904).

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