Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DEUTSCHE WUT ZERSTÖRT ITALIENISCHE SPUREN

Deutsche Studenten begehen Rachezug gegen welsche Einrichtungen in der Stadt

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 5. November 1904 · Seite 2
Ein Sozialist schilt wütend über die gegenüberliegenden Prachtbauten der Millionäre der Park Laue und die Krösusse selbst; ela großer Zuhörerkreis hat sich um ihn versammelt, aber die immer wiederkehrende tet, eine Anzahl von diesen wurde verletzt und diese sind noch nicht außer aller Gefahr; ein talentvoller junger Mann, der einheimische Maler Pezzey hat bei den letzten gräßlichen Ereignissen sein Leben lassen müssen. Die Erbitterung gegen die frechen welschen Ruhestörer ist daher wohl begreiflich, und sie machte sich gestern in einem Demonstrationsumzuge Luft, den deutsche Studenten veranlaßten, und der einem förmlichen Rachezuge glich. Wo immer sich Aufschriften in welscher Sprache befanden, äußerte sich die Erbitterung der Deutschen. So wurden im Gasthanse Stenek in der Leopoldstraße Nr. 21, wo die Italiener ihre Mahlzeiten einznnehmen Pflegen, die Fenster zertrümmert, beim welschen Konsum- Vereine an der Ecke der Maximilian und der Andreas Hoferstraße wurde das Auslagefenster und einige Scheiben eingeschlagen, am Kapsererhause ( Margarethenplatz) wurde die Aufschrift am Schilde des italienischen Arztes Dr. Bazzanella weggekratzt und einige Fensterscheiben zertrümmert, beim Spezereigeschäfte in dcr Südbahnstraße Nr. 4, das am Auslageftnster italienische Aufschriften trug, gingen diese Auslageftnster sowohl, als auch einige Fensterscheiben in viele Trümmer. Die Bemühungen der Demonstranten dort das italienische Schild herunterzunehmen, mißlangen. Sturm aus die italienische Rechtsfakultät. Einen förmlichen Sturm hatte die neue „ P r oviso rische italienische Rechtsfakultät" in der Liebeneggstraße zu bestehen. Tie Deutschen erzwangen sich mit Gewalt Eingang in die Lehrräume und devastiert e n dort zum Teile die Einrichtung, Ofen rc., Einrichtungsstücke wurden durch die Fenster ans die Straße geworfen. Mit dem Trambahnzuge rückte rasch eine Abteilung der Sicherheitswache an, die aber die Demolierung nicht mehr verhindern konnte. Von dort zog die erregte, ans etwa 800 Personen angewachsene Menge zur Hofburg, wo sich ^ bekanntlich die Wohnung des Herrn Statthalters befindet und brach dort in Pfuirufe ans. Auch einige Steine wurden gegen die Fensterreihe des ersten Stockwerkes geschleudert und dadurch mehrere Fenster zertrümmert. Ein starkes Polizeiaufgebot erschien am Platze und drängte die Demonstranten zurück. Diese zogen dann durch die Universitätsstraße und die Sillgasse wieder in die innere Stadt zurück. Vor der Klosterkaserne erschollen erregte Pfuirufe. Als die Demonstranten in die neue Fakultät eindringen wollten, trat den Vordersten ein Italiener mit einem geladenen Revolver entgegen. Der Welsche drückte dreimal ab, aber die Waffe versagte glücklicherweise.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. November 1904, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7605-deutsche-studenten-begehen-rachezug-gegen-welsche-einrichtungen-in-1904).

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