Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BAJONETT UND BÖSARTIGE WORTE

Militärische Hilfe requiriert – Bajonettangriffe und Photographie des „Weißes Kreuz“ Gasthofs

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 4. November 1904 · Seite 8
Wer Hai das Militär bestellt? Nach den heute bestehenden militärischen Vorschriften wird Militär nur über Aufforderung von irgend einer maßgebenden Seite zum Ausrücken kommandiert. Von Seite des Bürgermeisters geschah dies nW, wohl aber können wir bestimmt versichern, daß Se. Exzellenz der Statthalter Frhr. v. Schwartzenau auf schriftlichem Wege militärische Hilfe requirierte. Die Untersuchung. Mit der Durchführung der Untersuchung gegen die verhafteten italienischen Studenten wurde Sekretär Dr. Desadri, ein Italiener betraut. Es hätte gewiß Landesgerichts räte gegeben, welche man hätte delegieren können. Augenzeugen über den Bajonettangriff. Herr Gastwirt Ernst Hellenstainer ersucht uns mitzuteilen, daß er von einem vorwärts stürmenden Soldaten am Burggraben in italienischem Idiom die Worte „ Ostia! Vorwärts! " hörte. Dia blickte er sich um und sah hinter sich den Maler Pezzey tod niederstürzen. Seiner Meinung nach dürfte Pezzey 5 oder 6 Meter früher gestochen worden sein. Herr Hellenstainer bat nun den kommandierenden Kadett - Ossizierstellvertreter doch nicht derartig aus die Leute loszugehen, doch dieser hatte nur ein Säbelschwingen und brüllendes „Vorwärts " als Antwort. Herr stuck, für. Paul Lude scher sagte, daß ihn, obwohl er beim Unterbergereck, also gänzlich abseits stand, eiir italienischer Soldat mit dem Bajonett bedrohte, ihn mrt italienischen Fluch und SchimPsworten traktierte und ihn wild aufsorderte, sortzugehen. Ein dritter Zeuge ist bereit, vor Gericht auszusagen, daß ein italienischer Kaiserjäger mit den Worten „ poreo tecksseo " ( deutsches Schwein) anstürmte. Das „ Weiße Kreuz " wird photographiert. Heute vormittag erschien in Begleitung eines Wachmannes und eines Photographen ein italienischer Abgeordneter in der Herzog Friedrichstraße und ließ den Gasthof zum „ Weißen Kreuz ", der gestern bekanntlich in ganz grauenhafter Weise devastiert wurde, abphotographieren. Wahr- Arritslnmcker Nachrichten_ schettckich will er das Md als Beleg geyen die „barbarischen Deutschen " verwenden, vielleicht will er Ls auch ' einer der geschmackvollen italienischen Zeitungen übermitteln. Sei dem, wie immer, das Bild wird nur Zeugnis dafür aölegen, daß auch deutsche Langmut manchmal zu Ende geht, wenn welsche Provokateure es wagen, sie auf die Probe zu stellen. >, ^..., ^ - - - Kleinkrieg. Die deutsche Studentenschaft ist feit frühem Margen aus den Beinen und stellt den Welschen nach, wo sie sich zeigen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. November 1904, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7604-militaerische-hilfe-requiriert-bajonettangriffe-und-photographie-1904).

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