Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GARTEN IM STRESS MIT GYMNASIUM UND GELD

Kritik an der unterdurchschnittlichen Dotation des botanischen Instituts in Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 5. Februar 1909 · Seite 2
Das botanische Institut und der botanische Garten in Innsbruck. Herr Professor Heinricher schreibt uus >: Zn dem Berichte, den die „ Innsbrucker Nachrichten " über die Versammlung des Deutschen Bolksvereines vom 1. d. M. bringen, haben sich in dem ^ Teile, der meine Ausführungen betrifft, irrige Angaben emgeschlichen, die wohl dadurch veranlaßt sein mögen, daß ich dem Journalistentijche abgewandt sprach. Sie gestatten wir freundlichst, gekürzt meine Ausführungen hier wiedergeben zu dürfen. Ich betonte zunächst den äußerst rückständigen Zustand, in dem ich das botanische. Institut im Jahre 1889 übernahm, der dadurch illustriert wird, daß die Jahresdotation des Instituts 100 fl. betrug und keine Hilfskraft demselben zugewiesen war. Durch eine Anzahl von Eingaben und persönliche Vorsprache in Wien gelang es mir, die. Berhältnijse im Saufe des Jahres zu bessern; es wurde ein Assistent bewilligt, später auch ein Demonstrator und die JahresdoLation sukzessive aus 800 Kronen erhöht. Aber auch diese Dotation ist keine ausreichende. Die Innsbrucker Lehrkanzel hat das Gesamtgeöiet der Botanik zu vertreten, während an den meisten Universitäten eure Zweiteilung in eine Lehrkanzel für systematische Botanik und eine für Anatomie und Physiologie der Pflanzen besteht. In Prag ist diese Zweiteilung an der deutschen und an der böhmischen Universität durchgeführt und haben die beiden Institute für systematische Botanik eine Jahresdotation von je 1200 Kronen. Schon der Laie muß es unmittelbar fühlen, daß die Dotation von 800 Kronen für das Innsbrucker Institut, das beiderlei Richtungen der Pflanzenkunde zu vertreten hat — eure ungenügende ist. Die Literatur, das iDemonstrationsmaterial und die Lehrbehelse müssen ja für beide Richtungen beschafft werden. Die Bemessung der Dotation, ruit mindestens 1600 Kronen, dem Doppelten der gegenwärtigen, erschiene eigentlich als selbstverständlich. Auch bezüglich der Dotierung der botanischen Gärten steht Innsbruck ( und überhaupt die deutschen Universitäten) ungünstig da. Es wird nicht befremden, daß der botanische Garten zu Wien 36. 000 Kronen Dotation besitzt. Dank der Rivalität der Volksstämme rangieren dann am günstigsten die beiden botanischen Gürten zu Prag mit der JahresdoLation von 8000 Kronen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. Februar 1909, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8522-kritik-an-der-unterdurchschnittlichen-dotation-des-botanischen-1909).

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