Beginn Schlag 8 Uhr abends. (50jähriges Jubiläum der Tiroler! Glasmalerei und Mosaikanstalt in Innsbruck.) Heute, ( 12. Dez.), feiert die bestbekannte Tiroler Glasmalerei und Mosaik -! anstalt Neuhauser, Dr. Jele u. Co. in Inns -! brnd das Jubiläum ihres 50jährigen Bestan - | des. Aus diesem Anlasse erschien eine Festschrift, welche die Schicksale des Institutes von seiner Gründung durch A. Neuhauser, G. Mader und I. Vonstadl im Jahre 1861 bis heute schildert. 1872 wurde eine eigene Glashütte errichtet und damit die Erzeugung von Kathedral und Antikgläsern zum erstenmale in Österreich eingeführt; auch heute erzeugt die Anstalt ihre Gläser und Schmälten größrenteils selbst. Das Institut wuchs bald zum größten in Österreich heran und lieferte bereits nach allen fünf Erdteilen Glasgemälde und Mosaiken. Als bedeutendste Arbeiten sind die Fenster für die Scala regia im Vatikan zu Rom, für den Stefansdom und die Votivkirche ist Wien, für den Kölner und den Chor des Linzerdomes, ferner das Riesenfenster für die Marienkirche in Rostock, große Zyklen für amerikanische Kathedralen, weiter die Mosaiken für das Parlament und die Kaiserjubiläumskirche in Wien, das österreichisch ungarische Hospiz in Jerusalem, den Beitsdom in Prag, das Statthaltereigebäude in Triest sowie für amerikanische Kirchen u. v. a. zu nennen. Bereits seit den Achtzigerjahren besteht ein gut dotierter Pensionsfond, eine Krankenkasse, Unterstützungs und Stipendiensonds für Witwen und Waisen wurden ebenfalls geschaffen. Der Kaiser beehrte die Anstalt bereits zweimal mit seinem Besuche. An sonstigen Auszeichnungen kann das Institut auf die Verleihung des Titels „ Jstituto premiato dalla Santa Sede " sowie des Ritterkreuzes des St. Gregoriusordens durch den Papst, ferner die Verleihung der großen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft, ferner des Ritterkreuzes des Franz Joseph - Ordens durch unseren Kaiser an die Direktoren der Anstalt, sowie auf zahlreiche Prämiierungen auf großen Ausstellungen Hinweisen. Sowohl hinsichtlich des Umfanges seines Arbeitsgebietes wie der künstlerischen Qualität seiner Erzeugnisse ist das Institut heute eines der ersten am Kontinente, so daß es mit den großen Weltfirmen mit Erfolg in Wettbewerb tritt. In letzter Zeit wurde dem Institut der Auftrag zur Ausführung der Schissenster für den Linzer Dorn zuteil, eine Aufgabe, wie sie wohl selten einer Anstalt in solcher Größe und Bedeutung sich bietet. Eine der schönsten, bereits ausgesührten Arbeiten dieses Jahres war das große Mosaik für die Fassade des Canisianums der Patres Jesuiten in Innsbruck, sowie der Glasgemälde der barocken Kirche dieses herrlichen Baues. Diese Fenster beweisen durch ihre Helligkeit und künstlerische Schönheit, daß sich Glasmalereien sehr gut mit dem Barockstile vertragen, wenn sie nur entsprechend behandelt sind. Für die Barock - Kirchen in Ernstbrunn und den Dom in St. Pölten wurden ebenfalls in letzter Zeit Fenster in moderner Art mit Genehmigung der k. k. Zentralkommission nach Jdeenskizzen von Maler Reich ausgeführt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. Dezember 1911, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8984-festliche-feier-des-50jaehrigen-jubilaeums-der-tiroler-glasmalerei-1911).
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