eine Zahnradbahn auf ungefähr 7,3 Kilometer und zwei Seilbahnstrecken an. Die C athreiucr - Gruppe wählte eine rein bayerische Trasse zum Anstieg auf den Gipfel, ausgehend von der Station Grainau, der im Bau stehenden bayerischen Staatsbahnlinie, durchzieht jedoch ein Terrain, welches nach dem Gutachten hervorragender Geologen teilweise durch Verwerfungen ein brüchiges und zerrüttetes Gestein aufweist, sonach für die Beftandfähigkeit der Bahn begründete Bedenken erweckt. Diese Bahn ist durchwegs als Seilbahn gedacht. Trotz der unbestrittenen Vorzüge des Münchener Projektes erteilte die bayerische Regierung dem Cathreinerkonsorüum die Konzession zum Bau, allerdings mit dem Vorbehalte, daß innerhalb zwei Jahren der finanzielle Nachweis für das Zustandekommen erbracht sein muß. Hiebei war wohl der Umstand maßgebend, daß die Linie durchaus auf bayerischern Territorium gelegen ist, überdies waren hiesür gewisse Konkurrenzrücksichten bestimmend, nachdem durch die Zngangsstation Grainau eine längere Strecke der Staatsbahnen benützt werden muß. Die Erteilung der Konzession an das Cathreinerkonsortium hat aber selbst in Bayern nicht die Freude und Befriedigung hervorgerufen, die man hätte erwarten sollen; insbesondere sind aber mit dieser Entscheidung die österreichischen Interessenten keineswegs einverstanden, weil ihren Bedürfnissen dadurch gar nicht Rechnung getragen wurde, wie dies beim Münchener Projekte der Fall tvm wMM eine Bewegung ’ zugunsten eines rein österreichischen Gegenprojektes einsetzte, umsomehr, als das nur bedingungsweise konzessionierte Eathrein ' sche Projekt den ihm anserlcgten Finanznachweis noch nicht erbracht hat und sein Zustandekommen keineswegs gesichert erscheint. Außerdem erweist sich der Bau einer Zugspitzbahn von Ehrwald wesentlich einfacher, so daß eine solche dem jetzt konzessionierten bayerischen Projekte in den Herstellungskosten erheblich überlegen ist und deshalb mit geringerem wirtschaftlichen Risiko hergestellt werden kann,; a sogar Mben derllbayerischen Bahnlinie auf die Zugspitze ihre Berechtigung hat, besonders dann, wenn in wohl absehbarer Zeit die Fernpaßbahn das österreichische Zugspitzgchiet mit der Mlbergbähn, dem Boden -, see, dem oberen Jnntal usw. verbinden wird. Schätzungstveise ist diese Linie um die Hälfte kürzer als die bayerische, kann demnach wesentlich billiger hergestellt werden, also auch nahezu nur die halbe Fahrtdauer und den halben Fahrpreis beanspruchen. Für die Benützung dieser österreichischen Linie auch von Garmisch aus würde es sehr wenig Unterschied ausmachen, ob sie aus der staatlichen Lokalbahn von Gartnisch nur bis Grainau oder noch zwei Stationen bis Ehrwald zu fahren hätten. Inwieweit die Rentabilität der bayerischen Zugspitzbahn unter dieser Konkurrenz zu leiden haben wird und ob der finanzielle Ausfall der bayerischen Staatsbahnstrecke Partenkirchen — Grießen dann nicht größer sein wird, als wenn das bayerische Verkehrsministerium dem Münchener Projekt zugestinunt hätte, welches die bayerischen und österreichischen Interessen in glücklicher Weise verband, ist eine andere Sache, welche die österreichischen Interessenten nicht berührt. Letztere zu befriedigen ist der Zweck der nun angestrebten neuen Verbindung zur Zugspitze. Die österr. Siemens - Schuckertwerke und die Firma Stern u. Hafferl haben in Würdigung dieser Verhältnisse diese Angelegenheit in die Hand genommen, um das Zustandekommen der den Fremdenverkehr höchst fördernden Bergbahn zu ermöglichen. Der Firma Stern u. Hafferl wurde die Borkonzession seitens des österreichischen Eisenbahnministeriums bereits erteilt und es sollen die bezüglichen Projektsarbeiten, sobald es die Witterungsverhältnisse gestatten, durchgeführt werden, um die erforderlichen Grundlagen für die Verwirklichung zu gewinne:? und damit den Nachweis erbringen, daß durch, das einseitige bayerische Projekt die Ausführung einer österreichischen Zugspitzbähn wirtschaftlich nicht gefährdet erscheint. Wieder einmal hat es sich, gezeigt, daß eine allzu engherzige Vertretung eines einseitigen Jnteressenstandpunktes leicht in seinen Wirkungen das Gegenteil von dem erzeugen kann, was zu verhüten man eifrig bestrebt gewesen ist.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. März 1912, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9009-oesterreichische-interessenten-protestieren-gegen-bayerische-1912).
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