Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ALPENBLUMEN GEFAHRENGEFÄSS

Ausruf zum Schutze der Alpenflora vor der Sammelwut und Gewinnsucht der Krauteklauber

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 3. Juni 1913 · Seite 5 · #Öffentliches Recht
Weise die FeHeNgehänge ^ der Täler zieräe, die mit ihren zart bereisten ' Blüten und Blättern die kalten starren Steinmaffen wunderbar belebte, sie ist zur gesuchtesten B nle verftäriduislo/er Schädlinge geworden, welche dieselbe in Massen auf Märkten, Bahnihtofeu u. s. w. veräußern. Das liebliche Alpen und Stein röschen mit seinen bald glühenden Purpurdolden, bald milden Lilablüten bedeckte einst ganze Gebirgszüge und verwandelte die einförmigen St. infelder kn romantische Gärten vern er Liebe. 'Die Orchideen, die an Kraft und Feuer ihrer Mütenfarben alle übrigen Gewä h r übe treffen und deren schönste unsrer Kalkolpen der Frauenschuh ( ferner auch die, w l he durch Reminiszenzen an tierische Gestalten ausgezeichsind) ' ganze DiSker zierte ( sog. - Eibewal imHaltale), ist größtenteils nur vereinzelt euf entlegenen Plätzen zu finden. Der azurblaue Enzian, Heinrich Ofterdingens blaue Wunderblume, von der uns Novalis fo viel zu ' erzählen wußte, wi. d in Mengen in den Handel gebracht, der Noch de zu des leichteren Bindens halber mit den Wurzein versehen ist, weshalb die Verbreitung dieser' anmutigen Pflanze ' arg geschädigt wurde. Herrsche Täler ( Schmlrntal, Tuxerral, Zillertal n. s. w.), in denen die Natur so reichiich die Mumenpracht verteilt hat, si. d hierin gänlich vernichtet worden, indem die se tarsten Arten der Mpenpfianzen in die botanischen Gärten des Auslae. des wunderten oder als Handelsartikel in aller Herren Lander verschleudert wurden. Alle angrenzenden Länder, wie Kannte «, Salzburg, Bayern und insbo önders die Schweiz sind seit längerer Zeit durch! die strengsten Gesetze von dem rücksichtslosen Raube der Alpenblumen geschützt, nur Tirol ist gänzlich rinkständig, nur Tirol ist ganz ich der Sammelwut und Gewinnsucht der „ KrauteKlaub er " preisgegeben. Wenn auch in Tirol Gesetze bestehen, die zum Schutze der Alpenflora versaßt sind, so finden selbe fast keine Berücksichtigung un. d mit der größten Ruhe können unsere seltensten Kleinodien der Alpenpflanzen in empfindlicher Weise geschädigt werden. 'Des öfteren wurde in unserer Landeshauptstadt an maßgebender Stelle der Antrag gebracht, endlich einmal den öffentlichen Handel mit A l p e n b l u m e n ein z u stell e n, was auch des öfteren angeregt und beschlossen, aber noch nie in die Tat umgesetzt wurde. An alle Gemeinden Tirols ergeht deshalb der kräftige Ausruf, an den hohen tiroli scheu L an des au s schuß mit dem dringenden Ersuchen heran- Kutreten, dem nächsten hohen Landtage ein Gesetz zum Schutze der Alpenflora vorzulegen, worin der öffentliche Handel mit Alpenblumen auf das strengste untersagt wird. ' Sollte es ja doch den Gemeinden selbst daran gelegen sein, ihre eigenen wertvollen Naturschönheiten: vor weist unberufenen Händ en zu wahren und schützen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Juni 1913, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9314-ausruf-zum-schutze-der-alpenflora-vor-der-sammelwut-und-gewinnsucht-1913).

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