Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GEFOLTERTE STÖREN DEN GOTTESDIENST

Foltermethoden im Kreuterhause zu Innsbruck und deren Lärmbelästigung für den Gottesdienst

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 3. Juli 1913 · Seite 5 · #Tirolensien
Bei bereits eintretender Dunkeldieselben, durch Anhängen schwerer Gewichte an die Füße, endlich durch. Brennen der Arme und der Körperseiten mit Kerzeuflanrmen u. dgl. Selbstverständlich wurden hiebei die Arme des Gefolterten aus den Gelenken gedreht und wenn nun auch trotz aller fürchterlichen Schmerzen der Angeklagte standhaft blieb, so war er dadurch meistens für sein Leben lang zum Krüppel gemacht! Hofrat Dr. v. Schönherr bemerkt in seinem oben erwähnten Aufsatze, daß das Jammergeschrei der im Kreuterhause ^ 5) zu Innsbruck Gefolterten zeitweise so stark gewesen sei, daß sich ein Pfarrer veranlaßt gesehen habe, ein Gesuch an die Regierung zu richten, dantit die Tortur an einen anderen Platz verlegt werde, weil das Geschrei der Gemarterten den Gottesdienst der Pfarrkirche störe! Die Freiheitsstrafen wurden in zumeist scheußlichen, feuchten und finsteren Kerkern verbüßt; dabei waren die Sträflinge entweder mit Ketten an den Mauern angeschmiedet oder sie schleppten an den Füßen schwere Eisen oder Steinkugeln nach, wodurch Fluchtversuche möglichst Hintang eh alten werden sollten.. (Schluß folgt.) * 5) Das Kreuterhaus unv oer Kreuterturm, auch Frotmveste genannt, befand sich zwischen dem Stapf- Ruebl - Haus ( Pfarrplatz Nr. 3). Elftere beide wurden im Jahre 1890 abgetragen und an deren Stelle ein dem Pfarrkirchenfonde gehöriges Gebäude ( Pfarrplatz Nr. 4) aufgeführt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Juli 1913, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9364-foltermethoden-im-kreuterhause-zu-innsbruck-und-deren-1913).

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