Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DIE TIROLER SEELTEILE DES DICHTERS

Aufführung des lyrisch-dramatischen Festspiels „Walthers Rückkehr in die Heimat“ im Innsbrucker Nationaltheater

6 Martin Greif s Beziehungen zu Tirol. Von Franz Tafatfcher. Der gegenwärtige Aufenthalt Martin Greif ' s in Drol bietet bei der großen Beliebtheit, der sich der berühmte Dichter in unserem Lande und speciell in Innsbruck seit langem erfreut, von selbst den Anlass, einen Blick zu werfen auf die Beziehungen des gefeierten Mannes zu Tirol *). Martin Greif ( geboren am 18. Juni 1839 zu Speyer) kam schon als junger Student in unser Alpenland und berührte auf dieser Reife auch die Landeshauptstadt ( 18r > 7). Die Eindrücke, die Greif schon damals erhielt, waren außerordentlich mächtige; es sollte aber dem Dichter durch dessen Eintritt in die Armee ( als Artillerie Officier), sowie nach erbetener Verabschiedung infolge größerer Reisen und der Aenderung seines Berufes für längere Zeit nicht mehr möglich fein, die Tiroler Berge zu besuchen. Erst die von dem unvergesslichen Ignaz v. Zingerle angeregte und ins Werk gesetzte Walther Feier am Layener Riede ( Z. Oct. 1874) führte Greif als Berichterstatter der Wiener „Presse " wieder nach Tirol. Hierbei trat nun Greif mit Zingerle in nähere Beziehungen, die sich im Laufe der Zeit zu einer warmen Freundschaft entwickelten. Auf Anregung des damaligen kunstsinnigen Innsbrucker Theaterdirectors, Heinrich von Othegraven, schrieb Martin Greif ein lyrisch dramatisches Festspiel „Walthers Rückkehr in die Heimat" ( im Drucke bei Wagner in Innsbruck erschienen), in dem zum ersten male Walther von der Vogelweide als „ Tiroler" poetisch verherrlicht wurde. Am 4. November 1874 fand die Aufführung dieses Festspiels bei überfülltem Hause im k. k. Nationaltheater zu Innsbruck statt. Der Erfolg des Stückes, das von einem duftigen, poetischen Hauche durchweht ist, war ein beispielloser. Wir entnehmen einem längeren Berichte, den die „ Innsbrucker Nachr. " in einer Extrabeilage am 7. Nov. 1874 brachten, folgende Stellen: „ Das zur Aufführung gebrachte Festspiel ist zweifelsohne eines der besten dieser lyrisch dramatischen Kunstgattung, und bietet uns reife, köstliche Früchte in der goldenen Schale formenreiner Rhythmen. Wie in all seinen Werken, erkennen wir in diesem, Martin *) Die Daten zur vorliegenden Skizze habe ich, abgesehen von den citirten Berichte der Innsbrucker Nachrichten vom 7. Nov. 1874, durch längeren persönlichen Verkehr mit dem Dichter gewonnen; überdies lieferte mir Herr Prof. Dr. S. M. Prem manch ' schätzenswerte Angabe, wofür ich an dieser Stelle ihm meinen verbindlichsten Dank ausspieche. - Greif ' s Feder entströmenden Festspiel den Dichter s von außergewöhnlicher Begabung, der eine reiche \ Gedanken und
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. Mai 1895, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5907-auffuehrung-des-lyrisch-dramatischen-festspiels-walthers-rueckkehr-1895).

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