Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MAUERN, MÜLLER UND RADLVERBOT

Bauausschuss verhandelte Rekurse und bauteilweise Verbote in mehreren Straßen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 11. September 1903 · Seite 7 · #Gemeinderat
Als erster Punkt der Tagesordnung kamen die Anträge des Baukomites zur Verhandlung. Der erste Gegenstand ist ein Rekurs der Frau Veronika Reindl, welche im Hofraume ihres Hauses Speckbacherstraße 17 die Werkstätte und das Magazin in ein Stöckelgebäude umändern wollte. Die Anrainer protestierten gegen diese Absicht, auch der Vorsteher erklärt, ein Gegner jedes Stöcklaufbaues zu sein, da diese Projekte nur Gewinnunternehmungen der Besitzer und überdies vom sanitären Standpunkte unstatthaft seien. GR. Tschugmell erklärt, es wäre nun Sache des Ausschusses und der Anlaß gegeben, zu dieser dringenden Frage Stellung zu nehmen. Er stimmt der Ansicht des Vorstehers bei und beantragt, den Rekurs abzuweifen. Wird einstimmig angenommen. — In der Turnschule ergab sich die Notwendigkeit, ein Reservoir aufzustellen, um das zum Körperwafchen nach dem Turnen benötigte Wasser erwärmen zu können. Die Installierung und Herstellung beläuft sich auf 150 Kckonen. Gleichzeitig bittet der Vorsteher um Präliminierung des Betrages von 296 Kronen als die Hälfte der Koste): für die Herstellung der Wasserleitung zum Hause des Agenten Böse. Die andere Hälfte trägt der Hausbesitzer selbst. Beide Beträge werden bewilligt. — Das Bankomitee beantragt ferner, die häßliche Mauer in der Leopoldstraße zwischen dem Zangerlchaus und dem Gebäude des Landeskulturrates zurückzusetzen. Die Gemeinde ist bereit, mit den hiebei interessierten Parteien die Kosten zu tragen. — GA. Steiger stellt die Anfrage, wie die Angelegenheit mit den beiden bauordnungswidrigen Holzschupfen in der Karmelitergasse stehe. Der Vorsteher beantwortet dies dahin, daß die Sache an die Bezirkshauptmannschaft abgegangen sei; er erwarte stets die Einladung zu einer Kommission. — Frau Madl stellte das Ansuchen, im Parterre des Pinihauses Auslagefenster mit Portal errichten zu dürfe) -. Der Vorsteher stellt nun die Anfrage, ob dies die Gefuchstellerin auf eigene Rechnung oder ob es die Gemeinde auf ihre Kosten ausführ?): lassen solle. Hiebei ist geplant, an der. Hanssrom gegen die Leopoldstraße das letzte Fenster durch zwei blinde Auslagen zu verbau.::. Der Ausschuß entschließt sich zu einem Vertrage. — GA. Abram macht bei dieser Gelegenheit die Anregung, vom Oberranchftöckl bis zum Einfahrtstore beim Pinihanse Berkaufsstöckeln zu errichten, wie dies beim Marttgraben der Fall sei. Der zweite Punkt der Tagesordnung lautete auf Genehmigung des A. v. Krippscheu Armen:: nt erst ützungsbriefes, welcher ans Vergebung hon jährlichen 1000 Kronen lauter. Nach Verlesung des Stiftungsbriefes wird er vom Ausschüsse einstimmig genehmigt. Der nächste Punkt umfaßte drei Anträge: u) ans Erlassung eines Verbotes wegen des schnellen Fahrens mit Automobilen, d) das Rodeln in: Hohlwege betreffend und e) Anträge auf Ergänzung der neuen Radfahrordnung. Die Verhandlungen wogender Strafbarkeit der Automobilschnellfahrer wurden durch die inzwischen in dieser Angettgenh. it erlassene Landesverordnnng überflüssig. Wegen des schon bestehenden Rodelverbotes am Hohlwege wurde beschlossen, dasselbe durch eine Tafel am Beginne des Hohlweges mit der Namensfertignng der Gemeinde aufrechtzuerhalten und streng durchzuführen. Das Verbot gilt auch bezüglich des schmalen Weges, der von der Brennerstraße in die obere Kirchgasse führt ( Gaßlersteig). Der Antrag auf Ergänzung der von der Statthalterei erlassenen Radfahrerordnung brachte manches Für und Wider in der Debatte, in welcher die Herren Tfchugmel l, Prof. Otter, Abram, Dr. Josef und Dr. Franz Winkler u. a. in mitunter
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. September 1903, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7310-bauausschuss-verhandelte-rekurse-und-bauteilweise-verbote-in-1903).

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