Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
LAWINENBAUER OHNE HEIMKEHR

Verlust eines hervorragenden Ingenieurs und Lawinenkämpfers auf dem Arlberg

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 3. Oktober 1903 · Seite 6 · #Bahnbedienstete
Es befindet sich dort auch kein Proviant. (Ingenieur Edmund Bischof ß.) Aus St. Anton am Arlberg wird uns unterm 2. d. M. geschrieben: In Graz schloß sich gestern über einen Mann die kühle Eroe, der lange Jahre am Arlberg gewirkt, der im halben „ Ländle" (Vorarlberg) bekannt war und der in allen, besonders aber in Eisenbahnkreisen Ws Kapazität, als Spezialist galt. Es war der Erbauer der groß angelegten Lawinenschutzbauten auf der westlichen Rampe der Arlbergbahn, jener Bauten, die nun so segensreich wirken, und jed- Weden Lawinengang auf der betreffenden Bahnstrecke unmöglich machen. Der Verstorbene, Herr Staatsbahn - Jngenieur Edmund Bischof war erst 42 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe mit einem 12jährigen Sohne. Er kam im Jahre 1890 nach Langen am Arlberg und übernahm dort die im Jahre 1889 begonnenen Lawinenschutzbauten, die nach dem ereignisreichen Winter 1888/89 sich als notwendig erwiesen und für eine Bauzeit von vielen Jahren berechnet waren. Durch die 9 Jahre, die er am Arlberg wirkte, wurde ein großes Netz von Schneefängen, Mauern, Schneerechen, Pflockflächen und künstlichen Hemmbauten geschaffen. Derartige Bauten hat Bischof auf der ganzen Bergkette bis nahezu Bludenz überall dort aufführen lassen, wo nach den Von ihm in den Wintern gemachten Beobachtungen solche notwendig erschienen. Er hatte ein seltenes Verständnis dafür und wählte für jeden einzelnen Fall die wirksamste Abbau - Art. Durch den vielen Aufenthalt in den beschneiten Bergen, auf den blendenden, glitzernden Schneeflächen zog er sich aber im Laufe der Jahre ein so schweres Augenleiden zu, daß er Ende 1898 einen längeren Krankheitsurlaub nehmen mußte und leider nicht mehr in das Amt zurückkehren konnte. In ganz kurzer Zeit — von wenigen Monaten —erblindete der hervorragende Mann in den schönsten Jahren zum Bedauern aller, die ihn kannten. Herr Bischof hatte überaus viele Verehrer in Ingenieur und Beamtenkreifen, der Intelligenz überhaupt, er war sehr beliebt bei allen, die mit ihm in Verkehr traten. Bischof gebührt auch das Verdienst, mit seinem intimen Freunde Hotelier R. Schüler den Skisport auf den Arlberg gebracht zu haben. Er war es, der schon anfangs der Neunzigerjahre über die unteren Lehnen am Arlberg und bei Langen, Danöfen und Dalaas mit Skiern hmaufstieg. Unter Bischof wurden ferner die Wetter und Schneepegelstationen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Oktober 1903, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7323-verlust-eines-hervorragenden-ingenieurs-und-lawinenkaempfers-auf-1903).

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