Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KLERIKALE KLITSCHER IM KAMPF UM WILTEN

Kritik an klerikaler Einflussnahme und Standpunkten zur Vereinigung Wilten mit Innsbruck

Vorsteher Heigl betont, daß er in der Versammlung beim Ädambräu deshalb etwas energischer ausgetreten sei, weil es immer und immer wieder die klerikale Partei ist, welche sich in die Angelegenheiten der Gemeinde Wilten mengt und die anders Gesinnten so hinstellt, als ob sie nichts verstünden. Gegen den Antrag des hochwürdigen Herrn müsse man schon deshalb Stellung nehmen, weil jede Wahl eines Ausschusses eine Verschleppung und Begrabung der Angelegenheit bedeuten würde. Wie unschön die klerikale Partei vorgehe, beweise auch der Umstand, daß sie jetzt hinterrücks Unterschriften gegen die Vereiuigimg sammle ( Pfni- Rufe). Redner wendet sich dann so wie am Vortage gegen die einzelnen Ziffern der Flugschrift. Die in der letzteren sehr hoch angenommene K ' lärungsanstalt für den Kanalisierungsabfluß dürfte beispielsweise ganz wegsallen. Die im Büchlein angeregte Gründung einer Sparkasse sei undurchführbar, zu dem angegebenen Prozentsatz würde eine „ Sparkasse Wilten " nie Hypvthekaranlehen an den Mann bringen. Weiter betont Redner, daß die Ziffern für das zu errichtende Epidemiespital, für das Armenhaus und für die Schlachthalle viel zu niedrig gegriffen seien. Er betont, daß Wilten noch manch anderes auszuführen habe, insbesondere den Bau einer Volks und Bürgerschule, die Errichtung von Kindergärten, Schaffung einer Schwimmschule re. Würde man aus die Vereinigung mit der Stadt nicht eingehen, so würde die Stadt wohl ihre Hand von allen Angelegenheiten zurückziehen und Wilten stünde dann ganz isoliert da und würde zu fühlen bekommen, was es versäumt habe. Eine sofortige Steigerung der Steuern durch die Vereinigung sei nicht Zu fürchten, da Innsbruck eine geregelte, gute Verwaltung und eine ergiebige Sparkasse habe, welch letztere auch fernerhin ergiebig fein wird, wenn sie auch in jüngster Zeit von einem Wiener Judenblatte angerempelt wurde.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 8. Oktober 1903, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7327-kritik-an-klerikaler-einflussnahme-und-standpunkten-zur-vereinigung-1903).

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