Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
STURM UM FERNBAHN UND WORTGEFECHT

Heftige Debatte um die Fernbahn im Landtag

ihr gehabt! Ea poveretta! Sie hat wenigstens nicht zu sehr gelitten und nicht viel mehr von sich, mrd birbone — Räuber, Schuft. bahn gesprochen. ( Gelächter. Beifallsklatscherk auf der Galerie.) j Abg. Schrasfl erwähnte weiter, daß er schon 1903 einen Antrag bezüglich 5er Fernbahn einbrachte. Als er wieder auf den Abg. Bauer zu sprechen kam, erhoben die Konservativen lauten Widerspruch. Es brach ein Tumult los, der sich erst legte, als der Vorsitzende wiederholt das Glockenzeichen gab. Mehrere Abgeordnete schrieen auf Schrassl ein, er möge seim Anschuldigungen beweisen. Abg. Dr. von Wackernell ruft mit wei^ tönender Stimme: „ Sie haben nicht den Mut, die Dinge, die Sie hier sagen, auch draußen auf nichtimmunem Boden zu wiederholen. " Abg. Schrasfl: O ja! Der Herr Abgeordnete Bauer soll mit mir hinausgehen und mich einer; Verleumder nennen, dann klage ich ihn. (Großer Lärm.) Als Abg. Schrasfl im weiteren Verlaufe seiner Rede daraus hinwies, daß nicht er es gewesen sei, der den persönlichen Ton ins Haus trug, sondern daß Abg. Haueis dies vor einigen Tagen als erster praktiziert habe, rief dieser; „Darüber soll das Plenum entscheiden! " Der Redner wies ferner darauf hin, daß er dem Wg. Bauer ja bereits einen nichtimmunen Zeugen ( Sebastian Engel in Reutte) nannte und einer Klage also nichts im Wege stehe. Sodann gab er den Rafael Zobl in Schattwald als zweiten Kronzeugen gegen Bauer an und verlas einen kompromittierenden Brief desselben. Landeshauptmannstellvertreter Baron M a lfatti: Sind sie jetzt fertig? Abg. Schrassl: O nein! ( Lebhafte Heiterkeit.) Redner betonte sodann, daß ihn der Abgeordnete Haueis bezüglich der Fernbahn und Mittenwalderbahn durchaus vor kein Dilemma stellen könne. Er ( Schrafsl) werde für beide Bahnen eintreten. Auch werde er sich durch Zeitungsangrisfe niemals abschrecken lassen, für die Interessen der Armen einzutreten, weil er fest stehe, ein Tiroler und ein Bauer sei. ( Beifall bei den Christlichsozialen.) Der Abg. Bauer gab nach dieser Rede die Erklärung ab, daß der Brief Zobls von ihm bereits widerlegt wurde. Hieraus konnte endlich zur Abstinimung über den vom Wg. Schrassl bezüglich der Fernbahn gestellten Antrag geschritten werden. Dieser wurde einstimmig angenommen. Nach der Abstimmung entwickelte sich zwischen den Wg. Malfatti, Bauer und Haueis einerseits, und dem Abg. Schrafsl andererseits noch privatim ein hitziges Wortgefecht. Man hört den Wg. Malfatti ruftzn: Es ist erwiesen, daß die Anschuldigungen gegen Bauer nichts als Verleumdung sind. Abgeorddem gewußt, was um sie vorging letzter Zeit. Nur eines hat sie noch begriffen und still und selig dazu gelächelt, die Arme — daß mit ihr auch der arme kleine Wurm zur ewigen Ruhe eingehen würde, dem sie noch kurz vor ihrer Krankheit ein schwaches Leben gegeben. Auch ihn hat der schwarze Tod erlöst! Eh! ehs volehs! So gehts im Leben! Sie war eine gute Seele, die Tonietta, und mir ist leid um sie, aber — ihr gönn ich doch herzlich die ewige Ruh! Und nun wißt Ihr die Geschichte, Signora. Nicht wahr, ' s ist eigentlich nicht viel dran, aber wer ein bischen ein Herz hat, wird das arme Ding da drunten nicht verdammen, 6 vero?! Beten wir sür ihre arme Seele! " Damit erhob sich die Alte seufzend und kniete am frischen Erdhügel des armen Mädchens nieder, in leisem Gemurmel betend. Ich stand still und sinnend daneben. Dann hals ich dem guten Weiblein noch etwas frisches Gras und ein paar wilde Friedhofblumen aus den kahlen Hügel streuen, worauf die Alte, die gelöschte Kerze und den Rosenkranz wieder in die zittrigen Hände nehmend, und sich zum Gehen wendend, mir freundlich zunickte und sagte: „Nun aber, Complimenti, Signora; ich mutz gehen. Bleiben Sie aber noch ein wenig hier. Man soll uns nicht zusammen sehen. Die Herrschaften im Orte sind furchtsam und die schönen Signoras wollen nichts von Krankheit und Sterben wissen. Und Sie, Signora, würden sie
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. November 1905, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7886-heftige-debatte-um-die-fernbahn-im-landtag-1905).

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