Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GERUCHSFREI? DIE BEVÖLKERUNG ZWEIFELT

Einsprache gegen Asphaltfabrik in Hötting trotz günstigen Gutachtens

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 23. Dezember 1910 · Seite 4
(Die Asphaltfabrik in Hötting.) Uber diese Angelegenheit erfährt die T. Z. K. von kompetenter Seite: Am 20. ds. Mts. fand die kommissionelle Verhandlung über das Gesuch der Firma Reh u. Com. / Asphaltgesellschaft San Valentino in Berlin, um Bewilligung zur Errichtung einer Fabriksanlage zur Erzeugung von Gußasphalt statt. Die Anlage ist in der Nähe der Station Hötting der Mittenwalderbahn gedacht. Tort soll die Erzeugung von Gußasphalt unter Verwertung der neuesten Erfahrungen der Technik in dieser Hinsicht derart erfolgen, daß in keiner Weife eine Rauch und Geruchbelästigung der Anrainer Vorkommen kann,. Dgs wichtigsttz Merkmal dieser Erzeu- - l Nr. 292. Seite 3. gungsart ' besteht darin, daß alle übelriechenden. Tiämpfe und Gase nicht zur Ausströmung ge -! langen sollen, sondern in die Feuerung ge! - \ leitet dort verbrennen. Bei der Kommission intervenierte als chemisch technischer Sachverständiger Professor Zehenter aus Innsbrucks welcher vor Mrzem erst Gelegenheit hatte, ein ähnliches Werk, nämlich die städtischen Asphaltwerke in München zu besichtigen. Derselbe äußerte sich auf Grund der dort gemachten Erfahrungen und der seit dem ersten Anftauchen des Planes ( 1905) angestellten eingehenden Studien über diese Frage folgendermaßen: Tie Bedenken, die er damals ( 1905) gegen die Errichtung einer derartigen Anlage gehabt habe, könne er auf Grund der gemachten Fortschritte und Erfahrungen nicht mehr aufrecht erhalten und es könnte nach seiner Ansicht gegen die Errichtung der geplanten Anlage keine Einwendung gemacht werden, umsomehr als jetzt die Verwendung von Teer, mit der stets eine empfindliche Geruchsbelästigung verbunden ist, vollkommen ausgeschlossen erscheint. Trotz dieses Gutachtens erklärten die Vertreter der Gemeinde Hötting und die erschienenen Anrainer, unter denen sich auch die Stadtgemeinde Innsbruck befindet / gegen die Errichtung entschieden Einsprache erheben zu müssen - da nach ihrer Ansicht nicht mit vollkommener Sicherheit eine Rauch und Geruchsbelästigurrg der Anrainer ausgeschlossen sei und sie befürchten müssen, daß die Grundstücke dadurch an ihren: Werte vermindert würden, insbesonders deshalb, weil die Fabrik in den Verbauungsrayon der Gemeinde käme, welcher speziell durch den Ban der Mittenwalderbähn eine aussichtsreiche Zukunft habe.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 23. Dezember 1910, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8826-einsprache-gegen-asphaltfabrik-in-hoetting-trotz-guenstigen-1910).

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