(Die D 0 ppelkonzerte des städt. Orchesters und der Sänger und Tänzergesellschast Egger - Rieser.) Wohl allen ernsten Musikfreunden unserer Stadt sind die prächtigen Symphouiekonzerte des städt. Orchesters, welche den sommerlichen! Abschluß des Konzertjahres bildeten, noch in angenehmster Erinnerung. Mit Recht wurde von berufener Seite bedauert, daß von der versprochenen Anzahl dieser Konzerte nur etwa die Hälfte zur Verwirklichung kam. Der Grund hiefür dürfte nicht schwer auszuforschen sein, da es wohl allgemein bekannt ist, daß die gegenwärtige hohe Leistungsfähigkeit des städt. Orchesters nicht allein der Tüchtigkeit seines Leiters, sondern auch dessen idealer Un igcnni tz ' gkeit zuzu ' chreiben ist. Es wäre daher schon eine Pflicht der Dankbarkeit, auch auf die sommerlichen Fremdenkonzerte ", die ja b en finanziellen Erfolg bringen sollen, hinzuweisen, stünden dieselben nicht überdies auf jener künstlerischen Höhe, daß deren Besuch schon aus diesem Grunde wärmstens empfohlen werden müßte. Beispielsweise brachte eines der letzten Programme die Ouvertüre zu „ Mignon ", Jenseits Legende „Zorahayda " und Liszt ' s „ Ungarische Rhapsodie ", deren vollendete Wiedergabe um so schöner zur Geltung kam, als für diese Konzerte nunmehr der große Stadtsaal als der einzig mögliche Raum zur Verfügung steht. Daß Direktor Werner auch die Kinder der leichteren Muse — voran den Klassiker des Walzers Joh. Strauß — mit dem ihm eigenen Musikerernste auswählt und wiedergibt, ist umso dankenswerter ^ als die v erfechtende Walzerhochslut der neuesten Operettenfabrikanten dieser Musikgattung eine berechtigte Gegnerschaft zugezogen hat, Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß Herr Werner für seine Konzerte die Mitwirkung der Natiou alsängergesellschast Egger - Rieser gewonnen hat. Im allgemeinen verhehlen wir Tiroler uns nicht, daß das sogenannte „Nationalsängertum " auf Abwege geraten ist. Nur allzuwenig bekommen wir zu hören aus dem reichen Schatze echter Tiroler Volkslieder, dafür aber viel verzuckert v 0 lksstümliches, bisweilen in der übelsten Aufmachung, Davon sich gänzlich frei zu machen, wäre ein Verdienste das die Gesellschaft Egger - Rieser sich erwerben könnte, da ihr die Mittel hiezu in so reichem Maße zu Gebote stehen. Von dem allgemein guten Stimmemnateriale seien die Sopran und Alt - Solistinnen als besonders stimmbegabt hervorgehoben. Der einheitliche Zusammenklang der wackeren Sängerschar, die Pünktlichkeit und Reinheit der Einsätze verraten das ernsthafte Studium, mit wahrer Freude erfüllen die klangfrischen Jodler und dankbar sei anerkannt, daß Herr Egger das leidige Tremolieren verpönt und jene süßliche Sentimentalität, die so gar nicht tirolisch ist, ganz vermeidet. Wenn wir etwas weniges zu wünschen haben, so wäre dies eine wohl noch erreichbare strengere Einheitlichkeit in der Behandlung der Mundart und es sei bemerkt, daß in diesem Pünkte Echtheit als oberstes Gesetz MLen möge. Daß Herrn Eggers Gesellschaft auch m den Tänzen auf der Höhe steht, erwähnen wir nur der Vollständigkeit halber. Wir schließen unsere Beurteilung mit dem Hinweise darauf, daß der bei derselben angewandte streng sachliche Maßstab als die höchste Anerkennung gelten mag und sind überzeugt, daß die strebsame Sängergesellschast Egger - Rieser sich! noch das doppelt wertvolle, uneingeschränkte Lob der einheimischen Zuhörerschaft erlverben wird.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. Juli 1913, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9420-doppelkonzerte-des-staedtischen-orchesters-und-der-gesellschaft-1913).
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